Tamara Rojo
Ich bin eine gebürtige Einwanderin, Tochter von Einwanderern, Enkelin von Einwanderern ... Daher ist der Begriff «Heimat» für mich persönlich seit jeher kompliziert. Als ich gerade mal ein Jahr alt war, kehrten wir in das Land zurück, das eigentlich unser Heimatland, Herkunftsland war, doch irgendwie fühlte es sich nicht mehr wie Heimat an. Wir hatten uns verändert, sprachen andere Sprachen, hatten andere Kulturen erlebt, hatten Verwandte in anderen Ländern.
Wir steckten fest, passten nirgends so ganz hin, vermissten ständig irgendetwas von anderswo …
Bis der Tanz auf der Bildfläche erschien – und für mich zur persönlichen Heimat wurde. My private heimat, Ort des Rückzugs, der Ruhe und Besinnung, wo ich ich sein kann. Doch das Tanzen brachte abermals eine Zukunft fern der Heimat mit sich, wieder bin ich zur Einwanderin in einem neuen Land, einer neuen Sprache, einer neuen Kultur geworden. Nur, dass es sich seither ein bisschen leichter anfühlt, da ich ja nun meine persönliche Heimat, den Tanz, als Refugium habe.
Heute, 20 Jahre später, stehe ich vor dem unausweichlichen Ende meiner Karriere als Tänzerin und fürchte, dass ich vielleicht keine neue Heimat mehr finden werde, die mir ...
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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 106
von Tamara Rojo
Austauschprojekte mit afrikanischen Tänzern stehen derzeit hoch im Kurs. Ein wahrer Glücksfall ist das Projekt «Hillbrowfication», das die Berliner Choreografin Constanza Macras mit 21 Kindern und Jugendlichen aus Südafrika erarbeitet hat. Die jungen Performer kommen alle aus Hillbrow: Einst ein Vorzeige-Stadtteil von Johannesburg, ist das Viertel heute ein Synonym...
Bei «Floating Flowers» glaubten wir noch an einen Scherz, einen nicht einmal besonders jungen: Mann versteckt sich unter Rock von Frau. Indes, bereits im Duo mit Gauthier Dance zeigte sich die Nonchalance, mit welcher Po-Cheng Tsai zeitgenössischen westlichen Tanz, Urban Dance und Showbiz mit Elementen aus fernöstlicher Kultur verbindet.
Der Wow-Effekt kam 2017...
Es gibt ein Wort im Tschechischen, das in etwa so viel wie «Heimat» bedeutet. Es heißt domov und ist vom lateinischen domus abgeleitet. Also von dem Begriff eines «Zuhause». Wenn wir diese Idee weiterverfolgen, könnte es auch bedeuten, dass dort, wo unser Haus steht, gleichzeitig unsere «Heimat» ist.
Eigentlich sollte ich diesen Beitrag «Heimat und Migration»...
