St. Gallen
Beim «Reigen seliger Geister» in Christoph Willibald Glucks Oper «Orfeo ed Euridice» scheiden sich die choreografischen Geister. Die einen geben der Musik nach und schwelgen im Elysium. Die andern setzen eine minimale Bewegungssprache dagegen, so etwa Joachim Schlömer in den 1990er-Jahren in Basel, wo die Liebe zwar im Gesang siegte, nicht aber im Tanz. Dritte kontern regelrecht mit hässlichem Tanz, so gesehen bei Hofesh Shechter, der 2015 in Covent Garden den versöhnlichen Schluss mit wüstem Tanz unterminierte.
Beate Vollack entscheidet sich in St. Gallen für das Elysium und lässt ihre Tänzerinnen und Tänzer als Nymphen in weißen Tüllkleidern über die Bühne tänzeln. Das wirkt ein bisschen wie Monte-Verità-Spätlese und versüßt eine Inszenierung, die durchaus Kanten hat. Dann nämlich, wenn der Chor des Theaters St. Gallen in schwarzer Kleidung und kreideweißen Gesichtern von einer Empore auf der Bühne herab sein Veto gegen Orfeos Eintritt in den Hades geben will. Das ist schaurig schön und deutet auf die Katastrophe hin.
Diese folgt, wir wissen’s, der Erweckung der Euridice auf dem Fuß, weil sie ihrem Orfeo nicht blindlings folgt, sondern nach einem Zeichen der Liebe verlangt. Ein ...
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Léon Bakst
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