solitudes solos

Wer sich nicht in Pose wirft, hat schon verloren. Wer seine Muskeln nicht stählt, ist out. Jeder Körper ein Werbebild? Daniel Léveillé hält dagegen

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Es sind essenzielle, reduzierte Solotänze, die Daniel Léveillé in «Solitudes Solo» mit zum Teil höchster Kunstfertigkeit präsentiert. Das Stück, das keinerlei kommerzielle Konzessionen macht und populistische Befindlichkeiten allenfalls flüchtig streift, hat ihm bereits einige Lorbeeren eingetragen. Was der Choreograf für «Solitudes Solo» ersonnen hat, ist alles andere als leichte Kost. In fünf Variationen zeigen seine Tänzer Muskulatur und physische Kraft: Eine(r) nach der/dem anderen vollführen sie Permutationen der spezifischen Bewegungen.

Dabei schafft Léveillé eine stilistische Einheit, indem er einen Tänzer performen und wieder abgehen lässt, bevor der Nächste dessen Startposition einnimmt: Wachwechsel. Er ist ein Meister der Ordnung und nutzt kompakte Strategien, um die Körper, beinahe wie anatomische Anschauungsobjekte, zur Schau zu stellen. Straffe Muskeln, kräftige Schenkel, Rücken, die sich wellenförmig schlängeln: Es sind Körper voller Selbstvertrauen, bereit zu jeder Bewegung. Léveillé verwendet glides, Schwünge, Jetés, Pliés und Stürze durchaus mit Seitenblick auf das moderne Tanzvokabular der 1970er.

Der vitruvianische Mensch

Jeder Tänzer, jede Tänzerin ist ...

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Tanz August/September 2014
Rubrik: tanz im august, Seite 30
von Philip Szporer

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