Saarbrücken

MS Schrittmacher «Heimatfront»

Tanz - Logo

«Wenn unser Wohlstand auf der Welt Leid produziert, gehört dieses Leid dann uns?» Von provokantem Zynismus ist diese Frage, die antwortlos mehrfach ans Publikum gerichtet wird und in der sich das Thema von Martin Stiefermanns «Heimatfront» verdichtet. Schon die erste Szene vermittelt die Botschaft, dass wir die kriegerischen Folgen unseres Lebensstils zwischen unfairem Kaffee und Sweatshop-T-Shirt verdrängen: faul auf dem Sofa hockend, überfressen-gelangweilt und vom hyperbunten Warenangebot fast verschluckt.

Genau wie die drei Performer von MS Schrittmacher, die sich auf dem Aufblas-Sofa fläzen.

Eingebettet ist «Heimatfront» in eine durch das Doppelpass-Programm der Bundeskulturstiftung geförderte Recherche-Reihe mit Diskussionen und Performances zum Verhältnis von Krieg und Kapitalismus, «Quo Vadis, Bellum?». Höhe- und Endpunkt wird im Juni eine Premiere am Saarländischen Staatstheater sein. Trotz der Diskursverankerung wirkt der performative Zwischenstand, gesehen am Theaterdiscounter in Berlin, (noch) zu kurz gedacht und bebildert – plakativ wie der Titel, der eher unreflektiert einen Propagandabegriff aus dem Ersten Weltkrieg recycelt: Da wird eine artig zweisame ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

tanz_02_2017

Tanz Februar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Elena Philipp

Vergriffen
Weitere Beiträge
St. Gallen

Beim «Reigen seliger Geister» in Christoph Willibald Glucks Oper «Orfeo ed Euridice» scheiden sich die choreografischen Geister. Die einen geben der Musik nach und schwelgen im Elysium. Die andern setzen eine minimale Bewegungssprache dagegen, so etwa Joachim Schlömer in den 1990er-Jahren in Basel, wo die Liebe zwar im Gesang siegte, nicht aber im Tanz. Dritte...

Adieu

... Wenn ich meine Augen schließe und diesen Namen ausspreche, erscheint vor mir ein Mensch, so bunt wie ein Regenbogen. Ich kannte ihn seit 1973, aber wirklich kennengelernt habe ich ihn erst durch die Gründung des NDT III. Und ich liege sicherlich nicht allzu falsch, wenn ich behaupte, dass dieses Ereignis eine Wiedergeburt für Gérard bedeutete. Das war 1991,...

Leverkusen

Als Tänzer tritt er heute nur noch wohldosiert in Erscheinung. Der Bühne bleibt er dennoch treu. Mikhail Baryshnikov widmet seine beeindruckende Erfahrung als Performer inzwischen vornehmlich anderen Projekten – aktuell zu Ehren seines Freundes, des exilierten russischen Dichters Joseph Brodsky, der 1996 verstarb.

Für die Produktion «Brodsky/Baryshnikov», in Szene...