Im Spiegel der Zuschauer
Tanzschaffende sehen sich gerne als diejenigen Kunstakteure, die am intensivsten inter- und transdisziplinär arbeiten. Sie versprechen die Überwindung von Genregrenzen und wollen darüber hinaus Modelle für trans- oder postnationale Gesellschaften vorstellen. Programmverantwortliche und Kuratoren wittern im Tanz daneben die Chance, eine Symbiose von U- und E-, von Premium- und Popkultur zu schaffen. Tanz erscheint idealerweise als «Kultur für alle», die sich über Milieus, Sprachen, Kulturen und Staaten hinweg erfahren und erschließen lasse.
Aber stimmt das mit den Haltungen und Erwartungen des Tanzpublikums überein?
Aus den Studien des von mir geleiteten Zentrums für Audience Development in Berlin ergeben sich für die Tanzsparten an deutschen Bühnen zunächst einmal folgende Eckpunkte: Das Tanzpublikum ist jünger als in allen anderen Sparten – vom Kinder- und Jugendtheater mal abgesehen –, und es weist den größten Anteil weiblicher Besucher auf. Ähnlich hoch wie unter Durchschnittsbesuchern ist der Anteil von Akademikern.
Markant sind indes die Erwartungen der Tanzgänger an das, was sie zu sehen bekommen. Stärker als beim Theaterpublikum sind sie geprägt vom Wunsch nach hoher ...
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