Roman
Sie war «solide, erdverbunden, aus schwerem Lehm, nicht aus Glas». Kein Wunder, dass sie lange Zeit nur «Die Schwester des Tänzers» war, wie der Roman von Eva Stachniak in der deutschen Übersetzung heißt. Der englische Originaltitel lautet mit mindestens ebenso großer Berechtigung «The Chosen One», denn Vaslav Nijinsky hatte Bronislava Nijinska als Opfer in seinem Skandalballett «Le Sacre du printemps» auserkoren: eine Rolle, die seine Schwester einer Schwangerschaft wegen dann doch nicht übernehmen konnte.
Gut die Hälfte des Buches handelt von nichts anderem als – dem Bruder, dessen kometenhafter Aufstieg und Fall in unzähligen Berichten abgehandelt worden ist. Dass auch Bronislava ein geschätztes Mitglied der Ballets russes und eine Choreografin war, deren «Les Noces»-Version noch immer etwas Revolutionäres hat, scheint über Nijinskys Tragödie völlig in Vergessenheit zu geraten.
Dabei ist auch ihre Geschichte, wie sie gleich anfangs zu ihrer Verteidigung sagt, «nicht ganz unkompliziert». Eva Stachniak erzählt sie, eingebettet in eine Schiffsreise von der Alten in die Neue Welt, überaus anschaulich, sehr präzise und dennoch so pointiert persönlich, als wäre sie ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Medien Januar 2017, Seite 62
von Hartmut Regitz
Amsterdam
Het Nationale Ballet tanzt das mehrteilige Programm «Made in Amsterdam 1 & 2» mit Uraufführungen von David Dawson, Ernst Meisner und Juanjo Arqués sowie Wiederaufnahmen von Hans van Manen, Christopher Wheeldon, Alexei Ratmansky, Ton Simons und Krzysztof Pastor. De Nationale Opera, 11. Febr. – 4. März; operaballet.nl
Den Haag
Das Nederlands Dans...
Der Titel ist toll. Varianten eines Massakers. Da stellt man sich gleich den Gipfel alles Verbrecherischen vor. Noch toller ist, dass man nach gefühlt drei Minuten keinen Gedanken mehr an diesen Titel verschwendet. Es gibt kein Massaker. Es gibt zwei Pianos, eines spielt sogar selbstständig. Es treten auf: zwei Pianisten in der Kaserne Basel, in Vorbereitung...
Raimund Hoghe scheint um sein Leben zu schwimmen. Dann am Strand zu liegen und den Wellen zu lauschen, die Arme eng am Körper. Guy Vandromme sitzt am Flügel und spielt «La Valse» von Maurice Ravel, die Pianoversion, so aufgewühlt, als wäre es der finale Sturmflut-Satz aus Claude Debussys «La Mer». Die Assoziation entsteht vor allem deshalb, weil bald klar...
