Düsseldorf
Raimund Hoghe scheint um sein Leben zu schwimmen. Dann am Strand zu liegen und den Wellen zu lauschen, die Arme eng am Körper. Guy Vandromme sitzt am Flügel und spielt «La Valse» von Maurice Ravel, die Pianoversion, so aufgewühlt, als wäre es der finale Sturmflut-Satz aus Claude Debussys «La Mer». Die Assoziation entsteht vor allem deshalb, weil bald klar wird, warum Hoghe hier zwölf Minuten lang regungslos verharrt: Dies ist das Reenactment einer der symbolträchtigsten Fotografien der jüngsten Zeit.
Sie zeigt den kleinen Aylan, das an einem türkischen Badestrand angespülte, ertrunkene syrische Flüchtlingskind. Das Bild wurde zuerst von Ai Weiwei nachgestellt, nun von Hoghe.
Natürlich ist der Abend mit Walzern jeder Art auch allen anderen Opfern unter den Flüchtlingen zugedacht, insbesondere aber Kindern. Ein buntes Kinderstück ist er nicht. Vielmehr unterstreichen Hoghe, sein künstlerischer Mitarbeiter Luca Giacomo Schulte und die Tänzer zur Uraufführung am Centre Pompidou in Paris vor allem, wie grau der Tod ist. Dunkelgrau ihre Kleidung, mittelgrau die Decken, die Schulte ihnen über die Schultern legt, grauschwarz der Bühnenraum. Da wirkt ein rotes Tuch, das ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 38
von Thomas Hahn
Es gehört heute zu den fast selbstverständlichen Erwartungen Tanzinteressierter, einen Zugang zu den Quellen dieser Kunst zu allererst über audiovisuelle Medien zu erhalten. Was den Zugang zum Kulturerbe Tanz betrifft, möchte ich aus meiner Erfahrung einige zentrale und für uns, die Tanzarchive, sehr aktuelle Aspekte skizzieren.
Dazu zunächst eine kleine...
Die Frau hat sich einen Löwen über die Schultern geworfen. Sein Schweif baumelt auf der einen Seite ihrer Beine herab, auf der anderen Seite hängt sein Kopf schräg herunter und wippt ganz leicht im Takt ihrer Schritte. Aus den Hüften einer anderen Schönen wachsen Hunderte von zitternden Papierstreifen, wie Schilfgras. Vom Dekolleté einer Dritten fallen...
Ein Hip-Hop-Workshop an der türkisch-syrischen-Grenze mit Flüchtlingskindern, wie kommt man auf diese Idee?
Ich bin jetzt zum dritten Mal dort, im Auftrag des Goethe-Instituts, das in der Grenzregion zusammen mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit die Kinder zum Malen, Zeichnen, Jonglieren und eben auch zum Tanz animiert. Initiiert vom türkischen...
