R.I.P., Ballettomanie?

Tanz - Logo

Vor ein paar Jahren – es war nach einer Vorstellung des Northern Ballet, ich wollte gerade das Theater verlassen – winkte mir der Startänzer der Kompanie freundlich zu. Er hatte schon etwas an der Bar getrunken, leerte sein Glas und kam dann rüber zu mir, um ein paar Worte mit mir zu wechseln. Als ich einmal beiläufig an ihm vorbeisah, fiel mir eine Frau mittleren Alters auf, die sein leeres Glas vom Tresen nahm und daran schnupperte. «Was hast du denn da gerade getrunken?», fragte ich den Tänzer.

«Jack Daniels», erwiderte er und guckte ein wenig verwirrt, als ich ihm prophezeite: «Bald wirst du ‘ne große Flasche Jack Daniels geschenkt bekommen.» Zwei Tage später erfüllte sich meine Prophezeiung, die Flasche wurde für ihn abgegeben, hübsch verpackt, anbei ein überschwängliches Brieflein. Die kleine Begebenheit gab mir damals einen ziemlichen Kick, so als wäre ich völlig unerwartet eines Tieres ansichtig geworden, das eigentlich als ausgestorben galt: Ich war Zeuge einer Geste geworden, die ich in dieser Form schon seit Jahren nicht mehr beobachtet hatte.

Wo sind sie eigentlich heute, diese Ballettomanen? Ich meine jetzt nicht die landläufigen Ballett-Fans, die den Tanz lieben und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Mike Dixon

Weitere Beiträge
Ausstellungen, Screenings, Ausblicke Oktober 2017

Ausstellung

Degas in London

William Burrell (1861 – 1958) machte als Reeder ein Vermögen und investierte es auch noch gewinnbringend: in bildende Kunst. So kam der Schotte zu einer der bedeutendsten Privatkollektionen, bestückt unter anderem mit einer Vielzahl an Gemälden und Zeichnungen von Edgar Degas. Davon wiederum gastiert nun ein beträchtlicher Teil in...

Ordnung durch Chaos

Fehler machen? Hier ist es erlaubt. Scheitern? Sogar erwünscht. Erst wenn wir ins Chaos des Nichtwissens tauchen und dabei noch lachen können, entsteht Kreativität – und Ordnung im Nervensystem. Versuch und Irrtum ist das Ur-Prinzip produktiven Lernens. Michael Schrün­der nennt diesen Prozess «essenzielles Lernen». Und er fühlt den Puls dabei.
 
Als erfahrener...

Bücher, CD, DVDs Oktober 2017

Film: El Séptimo Sentido

Ignoranz sei schlimmer als Hass, sagt Choreografin Avatâra Ayuso, und sie redet in diesem Augenblick eigentlich von Benachteiligten in Gesellschaften weltweit, von Flüchtlingen in Europa oder der Kaste der Unberührbaren in Indien. Aber sie könnte auch von sich selbst sprechen. Ignoranz, so die Quintessenz der Dokumentation von Silke...