Philippe Saire

Er ist der Westschweizer Choreograf schlechthin, und der politische Wegbereiter für die Anerkennung des Tanzes rund um den Genfer See.

Tanz - Logo

Philippe Saire ist ein wandelnder Widerspruch. Zusammen mit Gilles Jobin und Guilherme Botelho zählt er zu den bekanntesten Schweizer Choreografen. Doch wenn man ihn über seinen Weg zum Tanz befragt, erklärt er gelassen, dass er genauso gut Filmemacher hätte werden können; es sei nur einer Reihe von Begegnungen und überhaupt den Umständen zu verdanken, dass er sich dem Tanz verschrieben habe. Gleiches gilt in seinen Stücken. Mit seiner Kompanie, deren 20.

Geburtstag er gerade feiert, geht er Themen an wie Gewalt («Les Affluents», 2001), Pornografie («[ob]seen», 2003) oder das Gefühl der Bedrohung im städtischen Raum («Sang d’encre», 2005). In Wahrheit ist Saire die Gelassenheit und Freundlichkeit selbst. Man kann noch so sehr bohren und ihn noch so hartnäckig befragen, nie verliert er seine Ruhe, immer gibt er mit einem Lächeln aufschlussreiche Antworten. Auch seine Arbeitsweise ist von Widersprüchen geprägt. Seine Stücke scheinen wie auf Notenpapier gesetzt und leuchten minutiös alle Facetten einer Thematik aus; der Entstehung solcher Arbeiten müsste eigentlich ein ausgeschriebenes Skript zugrunde liegen. Doch schon seit mehreren Jahren lässt Philippe Saire seinen Tänzern und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2006
Rubrik: Portrait, Seite 50
von Marie-Pierre Genecand

Vergriffen
Weitere Beiträge
Marijn Rademaker

Marijn Rademaker, ab heute heißt Du Rocco! «I fratelli» nennt Mauro Bigonzetti das Ballett, das am 1. Dezember in Stuttgart uraufgeführt wird, und Marijn Rademaker ist nicht irgendeiner der «Brüder». Der blonde Ballerino aus dem holländischen Nijmegen verkörpert darin jenen Jungen, der es als Einziger in der Film-Vorlage von Luchino Visconti bis in den Titel...

Yasmeen Godders «I’m Mean, I Am»

Yasmeen Godder in der Kammer des Schreckens: Die neue Arbeit sei ein Versuch, die Leere und Depression im Tanzstudio zu überwinden, bekennt die israelische Choreografin freimütig auf ihrer Homepage. Dazu hat sie sich mit dem Horrorfilm beschäftigt, in der Absicht ihn vampiristisch anzuzapfen. «I’m Mean, I Am» klingt verdächtig nach einem Böse-Mädchen-Manifest,...

Jenseits

Hyperion nennt der Grazer Komponist Georg Friedrich Haas sein Konzert für Licht und Orchester. Bei der Uraufführung der diesjährigen Donaueschinger Musiktage lässt Rosalie dreitausend Lampen dazu tanzen: kein Menetekel, das der Musik heimleuchtet. Eher ein Zeichen, das den Künsten eine Zukunft weist. Die Halle kann die Zuschauer kaum fassen, die sich knapp eine...