Osnabrück: «Unter einem Himmel»

Mauro de Candia «Unter einem Himmel»

Die Macht der Klänge unterschiedlicher Stile und Kulturen hat den Osnabrücker Tanzchef Mauro de Candia zu seinem neuesten Werk inspiriert. «Unter einem Himmel» heißt der dreiteilige Tanzabend, der als Reise zu verschiedenen Stationen angelegt ist. Der Fokus liegt auf Kontrasten – musikalisch wie choreografisch. Das Ganze ist ebenso unterhaltsam wie dramaturgisch geschickt arrangiert. Eine «Reisende» (Saskia de Vries) sorgt pantomimisch, wortreich und immer ein wenig skurril für die Überbrückung der Umbaupausen.

Zudem führt sie das Publikum von einer Etappe zur nächsten und knüpft so die Verbindung zwischen der Welt des Zuschauers und der Welt des Theaters.

«Branco» heißt die erste Station, das italienische Wort für Herde. Und wie eine Herde agieren die Tänzer auf der leeren Bühne. In uniformes Blau gekleidet, finden sie zusammen und stieben wieder auseinander. Alles ist ununterbrochen in Bewegung, mal ekstatisch schnell, mal zeitlupenartig, aber immer getrieben von den aufwühlenden Geigenklängen des serbischen Komponisten Félix Lajkó, die zwischen jagend und klagend das Tempo extrem variieren.

In krassem Gegensatz dazu steht anschließend «In Transit», das Keith Jarretts berühmtes ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2018
Rubrik: Kalender, Seite 42
von

Weitere Beiträge
Vorschau - Impressum (3 2018)

Pläne der Redaktion

Der Heizer Robert Smith will sich einfach nicht anpassen in der westlichen Welt. Perfekter Stoff für Frank Castorf: Eugene O’Neills «Der haarige Affe» in Hamburg.

#MeToo: Julia Riedler, Judith Rosmair und Hildegard Schmahl über Theaterarbeit, Macht und Männer.

Er war in den 60er Jahren ein Bühnenrevolutionär, dessen Entwürfe auch heute noch ...

Cocoondance «Momentum»

Sobald die drei Männer ihre Stimme finden und brüllen, hört das Stück auf. Noch vor der Sprache, der Philosophie, der Politik. «Momentum» von CocoonDance, dem Bonner Ensemble der Choreografin Rafaële Giovanola (s. Seite 61) und des Dramaturgen Rainald -Endraß, ist verkörperte  Physik, im Sinn von «Impuls» oder «Schwung». Gerade so bohrt es sich auch mit dem Tanz in...

Leipzig: «Johannes-Passion»

Ein Wortgefecht? Die Aufführung hat noch nicht begonnen, da hört man von fern Männerstimmen, als gäbe es draußen irgendwo einen Streit. Man muss schon die Ohren spitzen, bevor man begreift: Nein, das sind keine Kampfparolen, die ins Innere des Opernhauses schallen, sondern Gebete, mal hebräisch gesprochen, mal arabisch, die sich wie in einer Collage überlagern –...