oslo on tour

carte blanche «birthmark»

Tanz - Logo

Sechs Frauen lassen die Köpfe kreiseln. Sie pusten zart, küssen die Luft, wiegen sich breitbeinig im bisschen Wind, den sie machen. Die Rücken schwanken, die Arme rudern. Auf die Bühne gepflanzt, neigen sie sich wie Pflanzen, um bald festzustellen, dass sie doch nur Tänzerinnen sind. Also kläffen sie wie Hunde, sobald nur eine aus der Ordnung des Gemüsegartens ausbricht. Tiere sind böse, Pflanzen sind gut.

Und wenn die norwegischen Choreografinnen Kristin Ryg Helgebostad und Ingeleiv Bergstad Pflänzchen ausrupfen lassen, ringen ihre Tänzerinnen in «Loudspeakers» bäuchlings um die Auferstehung.

Zuvor lagen sechs Männer auf dem Rücken wie Käfer. Ihnen war es nicht vergönnt, diesen hohen Ernst des Pathos zu erreichen. Die Figur des Denkers, des Märtyrers – sie scheiterten stets am süffisanten Grinsen der Mitspieler. Diesmal sind es Siri Jöntvedt und Snelle Ingrid Hall als Spielleiterinnen, die sich in «Notes in Cracking» zu Ringelreih mit Anfassen entschließen und die Männer als Leadsänger mit Boygroup karikieren.

Die Mädchen immerhin verfallen in einen Rausch, zu hymnischer Rockmusik mit stets nach rechts wippenden Beinen, die auch mal ausschlagen wie die Triebe. Aber was sagt uns ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August-September 2015
Rubrik: kalender, Seite 52
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
biennale in bewegung

Die 56. Ausgabe der «Biennale di Venezia» konfrontiert den Besucher allenthalben mit Tanz – offen, andeutungs- oder erinnerungsweise. Kurator Okwui Enwezor, Leiter des Münchner Hauses der Kunst, hat das Motto «All the World‘s Future» ausgegeben, unter dem sich nunmehr vielfach durchaus Theatralisches bestaunen lässt. Da ist zum Beispiel der japanische Pavillon auf...

hamburg: chaignaud/bengolea «devoted»

Devoted, bis in die Fußspitzen! François Chaignaud und Cecilia Bengolea verschreiben sich ganz dem Spitzenschuh. Dabei traten der Bretone und die Argentinierin 2005 noch mit «Pâquerette» auf den Plan, um per Dildo das Gesäß als choreografisches Zentrum zu entblößen. Der Fingerzeig in Richtung Intimität galt als die Geburtsstunde dieser neuen Enfants terribles im...

vorschau

im jahrbuch: große gefühle
Das Gefühl, berührt zu werden – ohne Abwehr, ohne Einmischung des Verstandes, gehört
zu den existenziellen Erfahrungen, die der Bühnentanz beschert. Er kann zur Hingabe
verführen, indem er unseren Augen schmeichelt – oder ganz andere Techniken in
Anschlag bringt. Wie erzeugt das Theater Gefühle, welche Rolle spielt dabei der Körper,
die...