Nürnberg: Jiří Bubeníček, Jeroen Verbruggen «Made for us II»

Tanz - Logo

Nein, kein Treppenwitz. Jiří Bubenícek meint es ernst, wenn es am Ende seines Balletts ganz offensichtlich heißt: «Knockin‘ on Heaven‘s Door». Oscar Alonso jedenfalls steigt die Stufen empor, die uns, so der Choreograf, «näher an die Wahrheit» bringen, und pocht an eine imaginäre Tür. Was für Erkenntnisräume sich ihm dahinter auftun, bleibt dem Zuschauer­ allerdings verborgen. Denn auch in Nürnberg könnte man am Schluss mit Bertolt Brecht sagen: «Der Vorhang zu und alle Fragen offen.

»

Bubenícek gibt sich erklärtermaßen «philosophisch» bei seiner ersten Kreation für das Staatstheater Nürnberg Ballett, und Oscar Alonso schreitet denn auch zu Anfang gedankenschwer die Treppe empor, die ihm Nadina Cojocaru baut: wie in «Orlando» von Marco Goecke eine Unzahl Hüte auf dem Kopf balancierend. Sie geben dem Stück den Titel und sind in jeder «Chapeau»-Szene irgendwo gegenwärtig: hochfliegend, auf dem Boden liegend und zwischendurch sogar dort, wo man sie am ehesten vermuten würde.

Das Tanzen behindern sie jedenfalls nicht, und leicht und locker reiht Bubenícek eine Nummer an die andere: mal voller Bewegungseleganz wie in einem der Dresdner Ballette David Dawsons, mal wild bewegt, als ob er ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 42
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Still untitled

Die Last der niedrigen Decke wiegt schwer, der Raum ist kühl, während draußen die Sonne brennt. Ungefähr zehn Leute haben sich an diesem Sonntagmorgen in einem gewölbeartigen, von Säulen gestützten Raum im Keller des Krameramtshauses eingefunden, in dem die niederländische Bibliothek zu Münster ihren Sitz hat. Wir alle sind neugierig darauf zu erfahren, wie wir...

Bücher, CDs, DVDs August/September 2017

Verboten: O-Ton Pina Bausch

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Tanz-Buch womöglich Rechtsgeschichte schreibt. Wenn es bei dem Urteil bleibt, das am Berliner Landgericht in Sachen «O-Ton Pina Bausch» ergangen ist, steht mutmaßlich mehr auf dem Spiel als die Frage, ob die Regisseurin und Choreografin Ruth Berghaus darin richtig und angemessen wiedergegeben ist....

Tanzdynastien

Es gibt sie überall in Deutschland: Tanzschul-Dynastien. In Köln sind es die TV-bekannten Breuers. In Stuttgart die Burger-Schäfers, deren Gründer noch in Schlemmers «Triadischem Ballett» mitwirkten. In Nürnberg ist Familie Krebs seit 1883 im Tanzschul-Geschäft. In Essen sitzen die Overraths, die vor einem Jahr sozusagen mit einem anderen Clan fusionierten: dank...