münchen: Richard Siegal: «Metric Dozen»
Jüngst uraufgeführt durch das Ballet National de Marseille, ist Richard Siegals «Metric Dozen» auch ein Lehrstück über den Umgang mit Tänzern. Denn bevor drei akustische Peitschenhiebe ins völlig verdunkelte Silo einfahren, eine wegen der schlechten Sicht wenig tanzgeeignete Allzweckhalle am ehemaligen Hafen von Marseille, bevor einzelne Spots die ersten beiden in schwarz-silberne, schenkelkurze Unisex-Hemdchen gekleideten Tänzerinnen erfassen, ist bereits Yasuyuki Endos mit 45 Minuten überlanges Quartett «Tamago» über die Bühne gegangen.
Die eigentliche Körper-Attraktion dieser Modern-Dance-Retrostudie war der Weltklasse-Kodo-Trommler Leonard Eto. Der lässt seine Stöcke bisweilen in einer derartigen Geschwindigkeit über die Pauke tanzen, dass sie sich optisch vor dem Auge aufzufächern scheinen – ein Wahnsinn. Unter den drei Tänzerinnen, mit denen sich Endo, schlecht ausgeleuchtet, über Werden und Vergehen krümmt, kommt auch die blonde Malgorzata Czajowska, wie jede(r) mal in diesem Stück, mit einem Solo dran und wird dennoch nicht wirklich sichtbar.
Bei Siegal hingegen erscheint sie selbstbewusst als Person, selbst dann, wenn sie gerade in der Gruppe aufgeht, in affenartigem Tempo ...
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Tanz August/September 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 65
von Eva-Elisabeth Fischer
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