Mülheim an der Ruhr: Cocoondance «Vis Motrix»
Was für sinistre Kreaturen! Man möchte lieber gar nicht wissen, was passieren wird, wenn sie es schließlich aus ihrer merkwürdigen Rückenlage in die aufrechte Haltung schaffen, wenn sie die Königsposition des Menschseins erobern – ein Moment, den Cocoondance in seiner aktuellen Produktion nicht mehr zeigt. «Vis motrix» handelt von der Entstehung allen Lebens, von der «bewegenden Kraft». Rafaële Giovanola, die zarte, charmante Schweiz-Bonner Choreografin, wird zum Dr. Frankenstein unserer Tage.
Wie üblich hat sie gemeinsam mit ihrem Dramaturgen und Cocoondance-Partner Rainald Endrass ihr Tanzlabor mit trendig-topaktuellen Theorien ausgestattet.
Vier Frauen liegen amöben-flach auf dem Rücken, scheinbar willkürlich verteilt im Raum. Schwarze Sneakers, schwarze Leggings und Shirts, die Haare so straff zum hohen Dutt gebunden, dass der Haarknubbel wie ein Einschaltknopf auf dem Kopf thront. Sie sind die Homunculi, die der düster vibrierende Elektrosound von Franco Mento langsam zum Leben erweckt. Erst wölbt sich nur der Brustkorb ballonartig nach oben als werde von außen Luft in die Lungen geblasen. Dann zucken Bewegungen wie elektrische Impulse durch die Körper, und die Tänzerinnen ...
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Tanz Dezember 2018
Rubrik: Kritik, Seite 42
von Nicole Strecker
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