Michael Jackson
Michael Jackson, das Pop gewordene Paradox, der androgyne Held der Ambivalenz. Zugleich aggressives Sexsymbol und luftgeisterhaft asexuell, ein Show-Protz und perfektionistischer Bühnenasket, der ohne Rücksicht auf die eigene Person für jeden Auftritt alle Register zieht. Der lebenslange Versuch der Synthese aller amerikanischen Widersprüche und unerreicht erfolgreich. Trotzdem? Deswegen.
«Doesn’t matter if you’re black or white», oder auch nicht ganz von dieser Welt: Am Anfang ein frühreifes Kind der rassenübergreifenden Massenunterhaltung aus der Motown-Schmiede, dessen schiere Niedlichkeit selbst weiße Amerikaner die (sichtbar auch bei Jackson keimende) Potenz des schwarzen Mannes ertragen ließ.
Dann der zerbrechliche Peter Pan, der in der Frühphase von MTV die historische Chance erkannte und ein eigenes Genre definierte. Am Ende der bleiche Schatten eines Exzentrikers, der langsam implodiert.
Aber seine Exzentrik hatte Tradition. Jacksons Pop war ein Echoraum für Tap dance und Minstrel-Show, für die Musicals der 1940er, 50er, 60er und das Disco-Fieber der Siebziger, für Soul und Funk in der Morgendämmerung des digitalen Zeitalters. Sein Tanzstil adaptierte den gepixelten ...
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