mette ingvartsen
Die nette Mette. Sie verdreht einem alles, den Kopf und das Ballett. «Die sieben Todsünden» von George Balanchine, Bertolt Brecht und Kurt Weill geraten bei ihr exakt zum Gegenteil: «7 Pleasures» heißt ihr neues Werk. Aus der biblischen Droh-Erziehung des Menschen gebiert sie die Lust an der Freiheit. Ihre Tänzer sind zwölf splitternackte Apostel, die neunzig Minuten lang nicht ein einziges Mal den Zeigefinger heben.
Tief im Stollen des Grazer Hausbergs, bei der Uraufführung im Rahmen des Festivals «steirischer herbst», stehen Ingvartsens Akteure im Publikum auf, entkleiden sich in den engen Sitzreihen und betreten die Bühne, legen sich zu einem Menschenhaufen in die Ecke und überrollen von dort sehr allmählich das Mobiliar, ein Sofa, einen Tisch, einen Sessel. Später streicheln sie eine Yucca-Palme und einen Fliegenvorhang. Sie machen das sehr langsam und sehr ordentlich. Sie üben akkurat eindeutig kopulierende Bewegungen. Und entdecken im rhythmischen Vor und Zurück der Hüften die Entstehung des Tanzes aus der Lust.
Orgiastisches
Es ist eine Lust, die all diejenigen Gesellschaften verachten, die stets zuerst das «Nein» verinnerlichen, in Verboten, Zäunen, Grenzen, Regeln und ...
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Tanz November 2015
Rubrik: Menschen, Seite 22
von Arnd Wesemann
Man stelle sich einmal vor, es hätte sie nie gegeben. «Ach, was hat Pina Bausch für den Tanz getan, wie anders sähe die Sparte heute aus», lautet ein gängiger Seufzer. Vielleicht, liebe Pina-Groupies, ja auch so: All die Tänzerdarsteller, die ihr Innerstes als «Authentisches» auf die Bühne kübeln? Wären uns erspart geblieben. Die Akteure wären durchweg jung, schön,...
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Gonzalo Galguera mit einer religiösen Thematik befasst. In «Credo», «Requiem» und «Heilig!» hat er das in der Vergangenheit gleich mehrfach getan, und diese Erfahrung kommt ihm insofern auch in «Stabat Mater» zugute, als er auf alle Äußerlichkeiten verzichten kann. Seine Maria steht nicht am Kreuz, wie es der lateinische Text...
Mit einem «Nussknacker» eine Karriere zu beenden, um wenige Monate später mit einem «Nussknacker» eine Karriere zu starten, das gibt selbst Jeroen Verbruggen zu denken. Er nennt das zufällige Zusammentreffen «symbolisch», und es bestärkt ihn in der Richtigkeit seiner Entscheidung. Eigentlich war er ja mit seinen 32 Jahren als Tänzer keineswegs am Ende. Vielmehr hat...
