Mauro Astolfi «Supermodified»

Augsburg

Tanz - Logo

Extrem begrenzt sind die (Spiel)-Räume in diesem auf die Augsburger Brechtbühne gestellten Gefängnis. Oder handelt es sich doch um ein Human-Labor, eine Feldstudie zur Erforschung menschlichen Fehlverhaltens? Ausgerechnet dort, wo Menschen sich im existenziellen Ausnahmezustand befinden, wo sie mit sich und der Welt im Clinch, wütend, verletzt oder unerträglich einsam sind, wo Überlebenskampf Alltag ist, begibt sich Mauro Astolfi in seinem Kammerballett auf die Suche nach Menschlichkeit und Solidarität, will insbesondere für die «Vergeblichkeit von Gewalt» sensibilisieren.

Der Bewegungsradius der inhaftierten fünf Tänzerinnen und vier Tänzer des Ballett Augsburg ist limitiert, selbst wenn die mobilen Gitterelemente mit akrobatischer Kletterkunst überwunden und wie von Zauberhand immer neu arrangiert werden. Feingezeichnet sind die Rollenprofile, tänzerisch minimalinvasiv die kleinen, konstant möglichen Interaktionen zur gegenseitigen Kontaktaufnahme. Oft gelingen Astolfi akkurat inszenierte Dialoge mit klaren Posen und eindeutig behaupteten Gesten und Positionen, die Befindlichkeiten demonstrieren, Distanz oder Respekt vor dem jeweiligen Gegner oder Gegenüber generieren: Kurze ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2024
Rubrik: Kalender, Seite 36
von Renate Baumiller-Guggenberger

Weitere Beiträge
Trajal Harrell «Tambourines»

Raimund Hoghe war ein Poet der Bühne, ein Gourmet der Empathie mit realen, historischen Opfern von Krankheit, Nationalsozialismus oder Migration. Vor knapp drei Jahren verstarb er selbst. Seine Botschaft aber, dass zeitgenössischer Tanz auch ein Hort authentischer Gefühle sein kann, lebt unvermittelt wieder auf, wenn Trajal Harrell sich in «Tambourines» einer...

Stefano Giannetti «Der Nussknacker»

Genau sieben Tänzer*innen im festen Engagement – und dann einen «Nussknacker» machen wollen? Eigentlich mission impossible. Aber Dessaus Ballettdirektor Stefano Giannetti kriegt erstaunlicherweise die Kurve, nicht zuletzt dank seiner um sieben Gäste verstärkten Kompanie. Also erweist sich sein «Nussknacker» am Anhaltischen Theater als robuster Vertreter des Fachs...

Robert North «Mata Hari»

Femme fatale, exotische Tänzerin und Spionin? Früh emanzipierte, lebenshungrige Frau? Politisches Bauernopfer? Der Mythos Mata Hari (1876 – 1917) hat nicht wenige Regisseure inspiriert – schon Greta Garbo verkörperte die Legende in den 1930er-Jahren. Robert North, Ballettchef am Theater Krefeld-Mönchengladbach, hat das Sujet für den Tanz entdeckt. Ihn interessiert...