mannheim: Dominique Dumais: «Rilke»

Tanz - Logo

Einmal erwähnt Rainer Maria Rilke in seinen «Duineser Elegien» einen Tänzer. Nur das Programmheft zur Rilke-Choreografie von Dominique Dumais, das alle zehn Gedichte auszugsweise abdruckt, ebenso die Off-Stimme, die einige Teile spricht, lassen diese Stelle aus der vierten Elegie weg: «dann erst kam der Tänzer. / Nicht der. Genug! Und wenn er auch so leicht tut, / er ist verkleidet und er wird ein Bürger.» Kein ehrlicher Geselle. Ein Mensch eben.

Das Dichter-Ich beklagt «halbgefüllte Masken», Wesen, die immer so uneins sind mit sich, die lieber die Vögel, die Kinder, die Puppen und die Engel loben. Sie alle bekommen in der Choreografie zu den Gedichten aus den Jahren 1912 bis 1922 ihren Auftritt: Ein Paar reinweiße Flügel wird am Rücken getragen. Format Engel über Berlin oder Friedhofsstatue, nah am Süßlichen.

Den Puppen, beliebter Topos damals, gehört die stärkste Szene. Vierte und fünfte Elegie. Einige Tänzer tragen Masken, übergroße steife Kindergesichter. Wedeln mit den Händen, knicken die Ellbogen, während die Rilke‘schen «Artisten» springen, auf Händen stehen, Purzelbäume schlagen. Der Wille «wringt sie, biegt sie, schlingt und schwingt sie / wirft sie und fängt sie zurück». ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2012
Rubrik: kalender und kritik, Seite 40
von Melanie Suchy

Weitere Beiträge
glück...

...findet reißenden Absatz, es ziert die Werbung und wird von Doris Dörrie verfilmt. Also darf man dem Glück getrost misstrauen. Die Tanzregisseurin Helena Waldmann treibt das Glück direkt in den Bühnentod (Seite 22), die Choreografin Stephanie Thiersch (Seite 14) sagt: «Glück wird medial total überhöht, ständig reflektiert, so dass es etwas Dogmatisches bekommt,...

olga de soto

Olga de Soto, woran arbeiten Sie zurzeit? An einem Forschungsprojekt zum Ballett «Der grüne Tisch» von Kurt Jooss. Mir geht es darum, historische Wahrnehmungsweisen des Stücks zu sammeln und seine Überlieferung zu dokumentieren. Die Ergebnisse meiner Recherchen werden Teil einer Aufführung.

Was sind für Sie «historische Wahrnehmungsweisen»?
In meinem Projekt...

juniorkompanien

Jahrzehntelang gab es keine in Deutschland, und plötzlich sind zwei da: Fast zeitgleich bekamen das Bayerische Staatsballett und das Hamburg Ballett eine Juniorkompanie. Durch Vorbilder wie das Nederlands Dans Theater 2 sind die Vorteile einer solchen Schnittstelle zwischen Schule und Kompanie bestens bekannt: Gezielt lassen sich besondere Begabungen bei Tänzern...