Mannheim
Dieselbe Musik und doch nicht die gleiche. Die «Chaconne in g-moll» von Henry Purcell eröffnet den «Sommernachtstraum» im Mannheimer Nationaltheater, und sie signalisiert auch sein Ende: erst in einer Bearbeitung von Benjamin Britten, dann im Arrangement von Joby Talbot. Von den beiden Briten ist an diesem kurzweiligen, kühn konstruierten Abend auch anderes zu hören. Stephan Thoss ordnet sie jeweils einer Bedeutungsebene zu, die er selbst als «Zivilisation» oder «Natur» bezeichnet.
Anders gesagt: Spielt das «Tanzstück» am Hof zu Athen, zitiert der neue Ballettdirektor vor allem Vergessenes aus Brittens Ballett «Der Pagodenprinz», das John Cranko einst choreografiert hat. Talbot wiederum, der im Auftrag von Christopher Wheeldon auch schon «Alice’s Adventures in Wonderland» und «The Winter’s Tale» vertont hat, lässt den Wald in seinem Soundtrack schon auf fast filmreife Art erklingen.
Entsprechend die beiden Szenen, in der sich zwei Paare überkreuzen, wie wir das schon aus «The Moor’s Pavane» kennen. Während sich bei José Limón indes alles zum Tragischen entwickelt, scheinen sich hier Theseus und Hippolyta, Oberon und Titania am Schluss nicht weiter zu entzweien. ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 42
von Hartmut Regitz
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