Zürich
Geh, wilder Knochenmann! Die Tänzerin Giulia Tonelli sträubt sich mit Händen und Füßen in der Umarmung von William Moore. Solche Bilder vom Tod und dem Mädchen sind hier allgegenwärtig. Die Frauen werden in dieser Totenmesse als leichte Bürde geschultert oder wie eine zerbrechliche Fracht am Boden abgelegt. In «Messa da Requiem» lässt der Choreograf Christian Spuck das Ballett Zürich in der düster-dramatischen Grundstimmung von Giuseppe Verdis Requiem einen anmutigen Totentanz auf dem mit schwarzer Asche bestreuten Boden vollführen.
Der Abend besteht aus sechzehn Tableaus, die auf Verdis Komposition reagieren, ihr eine ästhetische Bildsprache entgegensetzen. Die Musik erklingt im Zürcher Opernhaus von der ersten bis zu letzten Note in einer formidablen Aufführung mit großem Chor und vier Solisten auf der Bühne, die sich wie selbstverständlich zwischen den Tänzern bewegen, während sie in höchsten Tönen vom Jüngsten Gericht und Ewigen Leben singen.
Spuck will mit seinem Ballett keine Geschichte erzählen, setzt auf Abstraktion. Entsprechend schnörkellos ist der von Christian Schmidt konzipierte Bühnenraum für diesen Tag des Zorns. Die Bühne ist ein schwarzer Kasten, ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 50
von Martina Wohlthat
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