Zürich
Geh, wilder Knochenmann! Die Tänzerin Giulia Tonelli sträubt sich mit Händen und Füßen in der Umarmung von William Moore. Solche Bilder vom Tod und dem Mädchen sind hier allgegenwärtig. Die Frauen werden in dieser Totenmesse als leichte Bürde geschultert oder wie eine zerbrechliche Fracht am Boden abgelegt. In «Messa da Requiem» lässt der Choreograf Christian Spuck das Ballett Zürich in der düster-dramatischen Grundstimmung von Giuseppe Verdis Requiem einen anmutigen Totentanz auf dem mit schwarzer Asche bestreuten Boden vollführen.
Der Abend besteht aus sechzehn Tableaus, die auf Verdis Komposition reagieren, ihr eine ästhetische Bildsprache entgegensetzen. Die Musik erklingt im Zürcher Opernhaus von der ersten bis zu letzten Note in einer formidablen Aufführung mit großem Chor und vier Solisten auf der Bühne, die sich wie selbstverständlich zwischen den Tänzern bewegen, während sie in höchsten Tönen vom Jüngsten Gericht und Ewigen Leben singen.
Spuck will mit seinem Ballett keine Geschichte erzählen, setzt auf Abstraktion. Entsprechend schnörkellos ist der von Christian Schmidt konzipierte Bühnenraum für diesen Tag des Zorns. Die Bühne ist ein schwarzer Kasten, ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 50
von Martina Wohlthat
Deutschland
On tour
«Best of Rock the Ballet» mit Rasta Thomas’ Bad Boys of Dance: Hamburg, Kampnagel, 2., 3. Jan.; München, Prinzregententheater, 5.–8. Jan.; Friedrichshafen, Graf-Zeppelin-Haus, 10. Jan.; Mannheim, Rosengarten, Mozartsaal, 11. Jan.; Rödermark, Kulturhalle, 12. Jan.; Rüsselsheim, Theater, 13. Jan.; Essen, Colosseum Theater, 14. Jan.; ...
Der Titel ist toll. Varianten eines Massakers. Da stellt man sich gleich den Gipfel alles Verbrecherischen vor. Noch toller ist, dass man nach gefühlt drei Minuten keinen Gedanken mehr an diesen Titel verschwendet. Es gibt kein Massaker. Es gibt zwei Pianos, eines spielt sogar selbstständig. Es treten auf: zwei Pianisten in der Kaserne Basel, in Vorbereitung...
Fast vier Jahrzehnte ist es her, da geschah auf dem Grünen Hügel von Bayreuth ein Wagner-Wunder. 1976 wuchteten der Regisseur Patrice Chéreau und der Dirigent Pierre Boulez den vierteiligen «Ring des Nibelungen» auf die Bühne des Festspielhauses und ernteten dafür Buhrufe und Beschimpfungen. Wagners getreue Publikumsritter tobten ob der vermeintlichen...
