Louis Stiens
Ich finde es schwierig, den Begriff «Heimat» mit meiner Arbeit, dem Tanz, in einen Kontext zu stellen. Anders als viele meiner Kollegen lebe und arbeite ich von klein auf in meiner sogenannten Heimat Deutschland. Andere Tänzer müssen ihre Heimat immer wieder neu definieren, weil sie viel reisen oder den Standort berufsbedingt wechseln. Ich dagegen habe mich ganz selbstverständlich an meine Heimat gewöhnt und sie schätzen gelernt.
Ich meine, dass Tänzer Heimat temporär sehen können, ohne sich groß mit ihr identifizieren zu müssen.
Vielleicht fällt es ihnen deswegen auch leichter als anderen Künstlern, sich in den unterschiedlichsten Bühnen- und Probensituationen zurechtzufinden. Tänzer müssen sich immer wieder neu behaupten und positionieren, das verlangt viel innere Kraft und Ruhe. Manchmal denke ich, dass es mich vielleicht stärker gemacht hätte, in einer mir fremden Kulturlandschaft Fuß zu fassen, um über das Tanzen eine neue Heimat zu finden. Allerdings meine ich manchmal auch, dass es umgekehrt ist, und der Tanz meine Heimat definiert hat. Dazu braucht er einen menschenfreundlichen Platz, wo er wachsen kann.
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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 106
von Louis Stiens
Impressum
tanz
Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
Herausgeber / publisher
Der Theaterverlag
Redaktion / editorial office
Hartmut Regitz, Dorion Weickmann, Arnd Wesemann, Mitarbeit: Sofie Goblirsch, Marc Staudacher
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin, Tel +49-(0)30-254495-20, Fax -24,
redaktion@tanz-zeitschrift.de, www.tanz-zeitschrift.de
Art direction,...
Für eine klassische Ballerina wäre sie zu hochgewachsen, aber der Bühnentanz ist eh nicht ihr Metier. Zumindest nicht aktiv. Aber Carmen Kovacs, so heißt die Tochter einer polnischen Mutter, um die es hier geht, hat einen sehr klugen Kopf. Sie ist jung, und sie liebt, was und wen sie sieht in Trainingssälen und auf Tanzbühnen, und natürlich das, was die dort tun....
Es ist sicher kein Zuckerschlecken, in der norddeutschen Provinz die Fackel des Tanzes an einem Siebenspartenhaus mit vier Spielstätten und 20 Millionen Euro Etat am Flackern zu halten. Vor allem, wenn man als gebürtiger Pariser den Glanz des dortigen Ballet de l’Opéra erlebt hat. Doch Antoine Jully, der als Tänzer in seiner Heimatstadt und beim Royal Ballet London...
