Ivan Liška

16 Tanzschaffende denken darüber nach, was Heimat für sie persönlich bedeutet

Für mich ist Heimat natürlich mein Geburtsland, die Tschechoslowakei, und: ihre Landschaft, ihre Sprache (Tschechisch und Slowakisch), ihre Literatur (Karel Čapek, Jaroslav Seifert, Bohumil Hrabal, Milan Kundera), ihre Musik (Antonín Dvořák, Bohuslav Martinů, Leos Janáček), ihre Volks-tänze und die Malerei (František Kupka, Josef Šíma, Jan Koblasa, Zdeněk Sýkora). Dazu gehört auch der Erfindungsgeist, der Humor – aber auch der Neid. Und diese Heimat ist auch charakterisiert durch ein Übermaß an fehlender Ethik im Politischen. 

Heimat ist für mich auch: Deutschland.

Das Land, in dem meine Söhne geboren worden sind! Und Heimat waren immer die Theater, an denen ich auftreten konnte und gelebt habe. Fünf Jahre Düsseldorf, drei Jahre München, zwanzig Jahre Hamburg und achtzehn Jahre als Ballettdirektor, wieder in München. Das Land meiner Geburt verließ ich absichtlich und bewusst. Aber ohne die Kraft dieser Heimat wäre ich in der Emigration nicht selbstbewusst, entschlossen und mutig gewesen. Gerade der Verlust meiner Heimat – also die Unmöglichkeit einer Rückkehr – hat mich gestärkt. Die Heimat fehlte. Aber ich fand dafür Freiheit: persönliche, politische, künstlerische Freiheit. 

Me ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 111
von Ivan Liška

Weitere Beiträge
Mengfan Wang

Wie ihr Kollege Yang Zhen gehört Mengfan Wang einer jungen Generation chinesischer Künstlerinnen und Künstler an, die mit wachem Geist sowohl in China als auch in Europa arbeiten. Ich habe sie als Studentin des Departments Kunstwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München kennengelernt, als sie mit uns das Dokumentationsprojekt zur Einstudierung von...

Katharina Christl

Die Dresdnerin hat von 1990 bis 1996 an der Palucca Hochschule für Tanz studiert. Dann zog es sie in die Tanzwelt, vornehmlich zu Frédéric Flamand nach Frankreich. Fast zehn Jahre war sie beim Ballet National de Marseille als Solistin engagiert, tanzte in Choreografien von Richard Siegal, Emanuel Gat, Annabelle Lopez Ochoa, Pascal Touzeau oder Yasuyuki Endo. Sie...

Naoko Tanaka

Streng genommen hat Naoko Tanaka keine Ahnung von Tanz. Sie studierte Malerei und Bildende Kunst in Tokio und Düsseldorf. Vielleicht gerade deshalb und umso mehr überzeugt die künstlerische Inspiration durch das flüchtige Medium, die sie seit 2011 auf faszinierende Weise in installative Bühnenkunst umsetzt. Dabei ist ihre Definition von Choreografie so simpel wie...