«Le Songe»
Jean-Christophe Maillot träumt. Wird man ja noch dürfen. Der Choreograf und Direktor der Ballets de Monte-Carlo träumt, dass sich Kulturen kreativ begegnen, ohne ihre Eigenart einzubüßen. Träumt, dass am Ende einer künstlerischen Entwicklung solche Tänze dominieren, die sich nicht mehr nach ihrer Herkunft erklären, sondern sich einer strikten Klassifizierung entziehen: etwas Neues, etwas Hybrides, das Kategorien wie «klassisch» oder «modern» obsolet erscheinen lässt.
So etwas wie die Ballets de Monte-Carlo, die sich Choreografien von Maurice Béjart, David Dawson oder William Forsythe gleichermaßen anverwandeln wie große Klassiker. Seine artistes chorégraphiques, so sagt er, sind Alleskönner. Und keine Solistin auf der Welt vereint eine «erwachsene» Erotik mit einer solchen Stärke wie Bernice Coppieters. Sie ist einzig.
«Le Songe» heißt das neue Opus von Jean-Christophe Maillot, das die Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen der Kompanie eröffnet. Es meint einen Traum, den nicht der Schlaf, sondern das Bewusstsein gebiert. Taghell ist das Stück, das Maillot im abgrundtiefen Grimaldi-Forum inszeniert. Die Handwerker, die den Palast des Theseus zum Ort ihrer Theatergroteske ...
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Tanz ist eine fortgesetzte Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Schwerkraft, eben jener Gravitation, die die Physik seit 1686 mithilfe der Newton‘schen Gesetze beschreibt. 1916, nach 230 Jahren erfolgreicher Anwendung, wurde sie abgelöst durch Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie. Aber die Schwerkraft blieb. Denn in den meisten irdischen Belangen –...
Wenn er mit wehendem Cape die Bühne stürmte, als wolle er abheben wie ein edler Vogel, stockte den Ballettomanen bis zum dritten Rang der Atem. Nobel, elegant, kraftvoll dehnte sich seine edle Linie bis in den Bühnenkosmos aus – ganz so, wie es die Prinzen, die Liebenden, die selbstquälerisch Leidenden im avantgardistischen Ballettdrama Tatjana Gsovskys...
Keine Kunst ist so sehr in der Natur wie die Tanzkunst. Sie ist randvoll mit Physik, Biologie, Chemie, Medizin, Neurologie und Anthropologie. Nur ein einziger Sprung auf die Bretter bedeutet schon eine so komplexe Welt aus Gravitation, Selbstorganisation, Chaos-Theorie, Mnemo-Physiologie, Adrenalineskalation und Biomechatronik, dass man fast schon sagen darf, hier...
