kritik der kritik

In Hamburg versammelten sich Choreografen, Tänzer, Theoretiker, um über eine Disziplin zu verhandeln, die in die Defensive geraten ist: Wie viel kritische Spiegelung ist überhaupt noch machbar oder auch nur erwünscht?

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«Ich lebe in einem sterbenden Europa», schimpft die Choreografin Angela Guerreiro. «Keine Jobs. Schleichende Armut. Länder, die ihre Idee von Unabhängigkeit aufgeben.» Aus der Tiefe des Bühnenraums kommt Robert Steijn und zieht sich aus. Legt sich auf den Boden. Und schläft. Totale Entspannung. Kein Stress. «Keine Spur davon, dass ich jemanden überzeugen müsste», sagt er später. Der ehemalige Tanzkritiker und Dramaturg schläft in vielen seiner Installationen vor Zuschauern. Das ist sein Beitrag zum Thema Kritik.

The Best. The Worst.

My Everything! - Trailer - from Tanzinitiative Hamburg on Vimeo.

Probenbesuch bei «The Best. The Worst. My Everything»: Im choreografischen Zentrum K3 auf dem Hamburger Kampnagel-Gelände hat die Autorin und Tanzkritikerin (und regel- mäßige «tanz»-Beiträgerin, A. d. Red.) Irmela Kästner sechs Choreografen dazu aufgerufen, künstlerische Statements zum Thema «Kritik» zu geben. Und sich dabei nicht irritieren zu lassen: nicht als Schwarm zu verschmelzen wie so oft im Tanz, sondern bei der Rolle zu blei- ben, die sie vorbereitet und mitgebracht ha- ben. Eine Bühne also voller Einzelkämpfer, die eine kritische Haltung einnehmen und zu ihrer Sache stehen. Was ...

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Tanz August-September 2015
Rubrik: praxis, Seite 68
von Gabriele Wittmann

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