Jochen Roller «Carla del Ponte trinkt in Priština einen Vanilla Chai Latte» in Hamburg
Am 29. und 30. April 2017 in Hamburg
Man hat seinen Sitzplatz noch nicht gefunden im Theater, da riecht es schon nach Provokation: beißender Tabakgeruch verpestet die Luft, der «Duft des Todes», wie es später heißt. Denn die fünf Grazien, die auf Jochen Rollers rotlichtgefluteter Bühne auf- und abschlendern, sich die Nylonstrümpfe hochrollen und die Handtäschchen schwenken wie Bordsteinschwalben aus historischer Zeit, quarzen eine Zigarette nach der anderen, vermutlich irgendein toxisches Balkankraut.
Darf man das überhaupt noch: im Theater rauchen?
Was man darf, was nicht, schert den Autor dieses Abends derzeit vermutlich wenig. Jeton Neziraj, einst Direktor des Nationaltheaters in Priština, entlassen, weil er sich zu kritisch mit der Politik des Landes auseinandersetzte und jetzt offenbar erst recht auf Konfrontationskurs an allen Fronten: im Clinch mit internen wie externen Kriegstreibern, Einmischern, auch Idolen seiner Heimat. Da tritt in seinem Stück «Carla del Ponte trinkt in Priština einen Vanilla Chai Latte» die ehemalige Chefanklägerin des Kriegsverbrechertribunals von Den Haag wie eine aggressive Killerin auf, um den Handel mit Organen serbischer Gefangener durch albanische UÇK-Kämpfer aufzudecken. Die ...
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Tanz April 2017
Rubrik: Kalender, Seite 42
von Nicole Strecker
Márcia Haydée, als Erstes ein Stichwort: Stuttgart. Was verbindet sich für Sie mit der Stadt? Stuttgart steht stellvertretend für meine Heimat, mein Leben, meine Karriere. Hier hat sich alles ereignet. Hier habe ich eine tolle Zeit erlebt. Jedes Mal, wenn ich hierher zurückkehre, spüre ich, wie ich mich verändere. Meine Energie bekommt einen Schub, sobald ich auch...
Wusch, da fliegt etwas vorbei, voller Farben, Formen, Luft und Leichtigkeit. Lange Fransen in Gelb und Grün, Blau und Violett, Rot und Braun fächern sich auf in der Bewegung, im Sprung oder in der Drehung eines Tänzers, und legen sich wieder zusammen. Groß und prächtig scheint die Figur zwischendurch, wie eine geöffnete Blüte. So kann man die Soundsuits von Nick...
Man kann den Bildersturm, den Ikonoklasmus, auch mal wörtlich nehmen. Um das religiöse Verbot, sich ein Bild von Gott zu machen, tanzmäßig zu bebildern, lässt sich Stijn Celis von Nicolas Musin einen leeren Bilderrahmen bauen. Der schwebt drohend über der Szene, dazu entfacht der Komponist Lorenzo Bianchi Hoesch einen ordentlichen «Storm», in dem die Tänzer der...
