Im Hippodrom
Das Schöne am Zeitgeist ist, dass er stets versucht, die Geister des Gestern zu verjagen. Damit die Zukunft eine Chance hat. Denn eine Zukunft ohne Zeitgeist gibt es nicht. Doch was macht der Zeitgeist? Gebiert Revival um Revival. Die Wiederholung des Schreckens, die Ausbreitung totalitärer Machtverhältnisse und klimatischer Katastrophen steht in einem seltsamen Missverhältnis zu all dem Glauben an das Gute.
Die Zukunft, so steht es schon bei Walter Benjamin, ist ein Engel, der mit entsetztem Gesicht auf die Geschichte starrt, und es so niemals schafft, den Blick nach vorn zu richten. Vorn ist bei Benjamins Engel immer hinten, die Vergangenheit. Dass Jan Martens, der aufstrebende Choreograf aus Antwerpen, nun in dem Klang eines barocken Cembalo die Zukunft der Kunst vermutet, ist nichts als ein konsequenter Quantensprung vom 21. ins 17. Jahrhundert. «Der Klang des Cembalos wird oft als sehr metallisch beschrieben, wie ein Videospiel aus den 1980er-Jahren», findet Martens, Jahrgang 1984. Das Cembalo, dank seiner «futuristischen Atmosphäre», die ihm zu entlocken wäre, steht zur Uraufführung beim südfranzösischen «Festival d’Avignon» zentral vor der düsteren Fassade des dortigen ...
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Tanz 11 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 13
von Arnd Wesemann
Deutschland
On tour Gala der Preisträger*innen des «Internationalen Solo-Tanz-Theater Festivals Stuttgart 2022»: Stuttgart, Treffpunkt Rotebühlplatz, 11., 12. Nov.; Heidelberg, HebelHalle, 13. Nov.; Karlsruhe, Tempel, 14. Nov.; Lindau, 15. Nov.; Augsburg, Kulturhaus abraxas, 16.Nov.; Regensburg, «Regensburger Tanztage», 18., 19. Nov.; Puchheim/ München, 20. Nov.;...
Corona war der große Elefant im Raum, bei den Tanzfestivals in Berlin, in Montpellier und in Wien. Das Virus entschied mit jedem Testergebnis, ob alles wie geplant stattfinden konnte. Karl Regensburger, Intendant beim Wiener «ImPulsTanz», zeigte sich zur Festivalhalbzeit sichtlich besorgt: «Wir mussten schon eine Performance verlegen, bei einer anderen hoffen wir,...
Die Welt auf den Kopf gestellt, zweimal vierzig Minuten lang an einem Abend – ganz schön ehrgeizig für den neuen Tanzabend des Hessischen Staatsballetts: «V/ertigo» (Schwindel), bestehend aus den Schwesterstücken «Skid» von Damien Jalet (tanz 4/22) und «I’m afraid to forget your smile» von Imre und Marne van Opstal.
Bringt Jalet auf schräg-steiler Tanzfläche ganz...
