Hamburg: Gisèle Vienne: «The Pyre»

Der Anfang ist eine Novelle, der Schluss ein Scheiterhaufen. Ein Kind scharrt in der Asche und versetzt dem weiß verkohlten Körper seiner Mutter leichte Tritte. Qualm steigt auf. Wortlos, hilflos ist der Sohn. Die Mutter wirkt wie verbrannt in der Hölle der Einsamkeit. Im ersten Bild erhebt sie sich langsam, sinnlich, sexy, wie psychedelisch, dann wie verzweifelt. Sie findet zu sich selbst und verliert sich sofort im Nichts. Im Boden gespiegelt, scheint sie auf Stelzen zu gehen. Als Tänzerin lebt sie einen Traum, der auf der Tanzfläche eines Clubs verendet ist oder in einer Peep-Show.

Da flimmern LEDs wie Trugbilder eines nie stattgefunden habenden Daseins, das nun an ihr vorbeizieht, während sie durch einen schwarzen Tunnel ins Jenseits zu rutschen scheint. Anja Röttgerkamp wirkt geradezu irreal. Dann erscheint der Zwölfjährige, und man kann höchstens erahnen, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen.

«The Pyre» (Der Scheiterhaufen), liest sich das nicht wie eine Fortsetzung von «This is how you will disappear», dem Titel eines Stücks von Gisèle Vienne aus 2010? Die Novelle von Dennis Cooper, die eingangs an das Publikum verteilt wird, liefert Deutungshilfe. Man sollte sie aber ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Workshops, Ausschreibungen

für tänzer_________

ausschreibungen

«Residenzprogramm 2014/2015» in Hamburg: Zum siebten Mal vergibt K3 – Zentrum für Choreographie, Tanzplan Hamburg im Rahmen seines Förderprogramms für ChoreografInnen, die am Beginn ihrer professionellen Praxis stehen, drei achtmonatige Residenzen (Aug. 2014 bis April 2015).
Deadline: 5. August
k3-hamburg.de

Der Fonds...

the goldlandbergs

«Ich werde übrigens nicht zum Christentum übertreten.» Emanuel Gat schickt das lächelnd voraus, sobald die Rede auf die religiöse Symbolik in seinem Zyklus «UpcloseUp» zu kommen droht. «Ich bin das jetzt schon zwanzigmal gefragt worden.» Da beugt er lieber vor. Allerdings kennt der Israeli Europa längst gut genug, um zu wissen, dass jeder künstlerische Bezug auf...

es lebe die freiheit

Alain Franco, mit Meg Stuarts Choreografie «Built to Last» entstand eine ziemlich opulente Reflexion über die Musikgeschichte, voll wuchtiger Sinfonien und gespickt mit Zitaten aus dem Œuvre von Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn, sogar von Ihnen selbst. Ich sage in dem Stück: Ein Puls ist ein Phänomen.


Was heißt das genau? Ein Puls wird erst zu einem Puls, wenn er...