wem der takt schlägt
Takt ist eine lebendige Struktur, er pulsiert regelmäßig, so wie die Herzschläge, aber eben nicht völlig gleichförmig. Genauso wenig wie der Rhythmus, der den Takt erst interessant macht, weil er von ihm abweicht. Über den legt sich wiederum die Melodie, großbögig ausgeformt oder kleinteilig, nur als Motiv oder Tonfolgenpartikel erkennbar. Auch sie geht mit den anderen Parametern eine komplexe Beziehung ein, wird erst durch Anpassungen und Abweichungen besonders – zumal sie sich in der Lautstärke und Geschwindigkeit ändern kann, in ihrer Instrumentierung, in der Tonart.
Dieses immer wieder neu und immer wieder unendlich anders verflochtene Gebilde nennen wir Musik. Es langweilt uns auch nicht nach x-fachen Wiederholungen, weil es lebt, live und jetzt. Weil es direkt vor uns von Menschen gespielt wird, die fehlbar sind. Gerade die Abweichungen von der vorgeblichen Norm ziehen uns immer wieder an. Sind sie bewusst und gekonnt ausgeführt, nennen wir sie Interpretation, die mal mehr, mal weniger sinnreich ausfällt.
Echter Orchesterklang
Im Tanz ist das ähnlich. «Live» heißt «lebendig». Wenn Bewegung von Musik untermalt wird, dann gehen beide Ausdrucksformen eine sehr besondere ...
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Tanz August/September 2013
Rubrik: musik, Seite 96
von Manuel Brug
Das müsste doch alle Politiker unseres Landes erfreuen: Der Deutsche Berufsverband für Tanzpädagogik, der Deutsche Tonkünstlerverband, der Deutsche Bühnenverein – vertreten durch seinen Geschäftsführenden Direktor Rolf Bolwin, der zugleich Vorsitzender des Beirats der Künstlersozialkasse (KSK) ist –, fordern von der Deutschen Rentenversicherung, sie möchte...
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alain platel
Einer, ein Einziger, steht ganz allein am Anfang von «C(h)œurs» auf der Bühne. Derweil verschanzt sich die Chor-Hundertschaft, während sie das «Dies irae» aus Giuseppe Verdis «Messa da Requiem» anstimmt, hinter PVC-Bahnen, wie sie sonst von Schlachthaus-Decken hängen. Als Alain Platels choreografierte Belcanto-Rebellion im vergangenen...
Diversität ist eins der Zeichen unserer Zeit. Darum wird der weiße, heterosexuelle Mann als Maßstab von Ding und Welt künstlerisch so gern infrage gestellt, sei es, indem Jérôme Bel in «Disabled Theatre» lieber Menschen mit geistiger Behinderung auf die Bühne bringt, sei es, dass das Künstlerpaar Gintersdorfer/Klaßen die Opfer kolonialer Vergangenheit in den...
