Halle: Ralf Rossa: «Werther oder ich werde geliebt, also bin ich»

Tanz - Logo

Am 1. und 3. Juni 2017 in Halle.

Zu den unvergesslichen Miniaturen der Tanzgeschichte gehört Johannes Brahms‘ Walzer in As-Dur, op. 39, No 15, choreografiert von Frederick Ashton für einen Reigen namens «Five Brahms Waltzes in the Manner of Isadora Duncan»: Nichts als eine Tänzerin, die binnen Minuten die ganze Bühne in ein Meer aus Blütenblättern verwandelt. Die Bilder brennen sich derart in die Erinnerung ein, dass nichts und niemand sie überschreiben kann.

Pech für alle, die das Publikum aktuell mit besagtem Brahms-Walzer beschallen, selbst wenn sie statt eines Flügels ein ganzes Orchester aufbieten können. Halles Ballettchef Ralf Rossa kann das. Und doch bleibt sein «Werther oder ich werde geliebt, also bin ich» an dieser Stelle äußerst blass. Und das trotz Michael Wendebergs herrlich musizierender Staatskapelle. 

Es ist zwar nicht der einzige Ausrutscher des Abends, insgesamt aber hat Rossa mit seinem Ensemble eine frische, junge, eine sympathische Umsetzung von Goethes Briefroman zustande gekriegt. Was nicht zuletzt der hoch engagierten Truppe zu danken ist, die Rossas zwischen Ballett und Tanztheater mäanderndes Idiom schlackenlos präsentiert. Dramaturgisch orientiert sich das Geschehen am Plot des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 36
von Dorion Weickmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Köln, Düsseldorf

Tanzvermittlung und Cliffdancers

Vermittlungsprogramme liegen bundesweit im Trend, und dass die professionelle Heranführung des Publikums am besten mit maßgeschneiderter Ausbildung gelingt, ist mittlerweile unumstritten. Anders als die Frage: «Wie viel Kunst braucht die Tanzvermittlung?», wird doch noch immer gern versucht, die beiden Felder gegeneinander...

Kaiserslautern: James Sutherland «Zyklus»

Am Ende stehen sie uns frontal gegenüber, resigniert und verloren vorne an der Rampe. Einer hebt unsicher die Hand, eine andere streckt sie uns suchend entgegen, wohl wissend, dass sie keine Antwort bekommen werden. Ohne jedes Pathos, in Bildern an der Grenze zum Abstrakten, stellt James Sutherland in seiner ersten großen Uraufführung fürs Pfalztheater die Frage...

Trier: Iglesias Ungo, Ferrera, Hernandez: «TANZ 4»

Keiner gleicht dem anderen. Jeder Tänzer in Trier ist unverwechselbar. Vielleicht ist das mit ein Grund, weswegen jedes Mitglied der Susanne Linke Company seinen Platz so vehement behauptet. «Imagine a .... Right in the Middle» nennen Julio Cesar Iglesias Ungo und Alexis Fernandez Ferrera ihre Arbeit, und tatsächlich beansprucht jeder Einzelne darin für sich das...