Halle: «Lulu»

Jochen Ulrich: «Lulu» in Halle

Tanz - Logo

Was hätte ein gewisser Konrad Adenauer – Oberbürgermeister von Köln, als er 1926 aus moralischen Gründen Béla Bartóks «Der Wunderbare Mandarin» verbieten ließ –, wohl zu dieser «Lulu» gesagt? Jochen Ulrich hat sie 1990 seinem Tanz-Forum Köln hochdramatisch auf den Leib kreiert und für Furore gesorgt.

Inspiriert von Frank Wedekinds literarischer Vorlage «Erdgeist», die 1894 mit «Die Büchse der Pandora» eine Doppeltragödie bildete, stellt Ulrich seiner Tanzversion den zynischen Prolog des Tierbändigers voran und siedelt die Handlung im Milieu zwischen Varieté und Zirkus an. Denn Lulu gilt nicht viel mehr als ein gewinnträchtiger, revuehaft aufgeputzter Zirkusgaul, ihre Arbeit ist das Lustgeschäft. Damit lebt sie skrupelfrei aus, was die Männerwelt um sie herum sich wünscht, aber sich nicht traut: Triebbefriedigung total. Der Tanzfonds Erbe macht ein Vierteljahrhundert nach der Uraufführung die Neueinstudierung möglich: Halles Ballettdirektor Ralf Rossa konnte dafür mit Darie Cardyn die originale Lulu, das damalige Ausstatterteam sowie den Dirigenten Hilary Griffiths gewinnen, der schon Ulrichs Wahlmusik arrangiert hatte: Filmkompositionen von Nino Rota, vornehmlich aus Klassikern von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 38
von Volkmar Draeger

Weitere Beiträge
2016

2016 ist das Jahr, das zum ersten Mal in der Geschichte aller erinnerlichen Menschenjahre zu einem «Tanzjahr» ausgerufen worden ist. Dieses «Tanzjahr», federführend gesteuert vom Dachverband Tanz, wird in Deutschland ein ganzes Jahr lang dauern, so wie es 1975 das Jahr der Frau gab, wie 1986 und 2000 zu Jahren des Friedens erklärt wurden. Aber nie gab es ein...

Buch, CD, DVD

biografie georgette tsinguirides
Siebzig Jahre ein und demselben Ensemble anzugehören, das muss eine(r) Georgette Tsinguirides erst einmal nachmachen. Aber nicht nur ihre lebenslange Bindung ist ein Unikum. Auch die Umstände, unter denen ihr Engagement zustande gekommen ist, sind ungewöhnlich. Am 1. Dezember 1945 wird die 17-Jährige als «Chortänzerin-Anwärterin» von...

persönlich

Newcomer: hugo marchand
Es gibt viele Gründe, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Interessen in den Topf einer «Generation X» zu werfen – verbunden durch eine gemeinsame Geschichte. So geschehen in Paris nach den IS-Attentaten vom November, als die Jugend zur sogenannten «génération Bataclan» mutierte. Ähnlich ergeht es den Tänzern an der Pariser Opéra, wo die...