Hagen
Huch, schon wieder ein Jahr vorbei. Nie verfliegt ein Jahresrund schneller, als wenn Antonio Vivaldi musikalisch die Welt erwachen, sich erhitzen, berauschen und schließlich einfrieren lässt. Den barocken Superhit haben in Hagen gleich drei Choreografen im Teamwork inszeniert. Noch ehe man weiß, was Regina van Berkel mit ihrem schnörkelig-komplizierten Frühling, Young Soon Hue mit ihrem erstaunlich düsteren Sommer und Ricardo Fernando mit seinem naiv-rustikalen Herbst eigentlich jenseits getanzter Illustration sagen möchten, ist man schon im Winter gelandet.
Hier verwirren die drei Künstler ihre eigenwilligen Ästhetiken zum eiszeitlichen Karneval: Wer ist wer, was stammt von wem? Egal.
Hagens Ballettdirektor Ricardo Fernando hat geahnt, dass kein noch so kluges Konzept gegen den Ohrwurm-Effekt Vivaldis ankommen kann. Seine Kooperation mit Kolleginnen charmiert natürlich schon durch konkurrenzfernen Idealismus und stilistischen Pluralismus. Fernandos Ensemble steht seit jeher für das Prinzip Hoffnung angesichts andauernder Auflösungsdrohungen durch die Stadt Hagen, die ihren Zuschuss für das Theater ab 2018 nochmals um 1,5 Millionen Euro reduziert. Obwohl nicht ...
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Tanz Dezember 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 42
von Nicole Strecker
Der Regisseur Dominique Delouche brachte es auf den Punkt: Yvette Chauviré hat «den Tanz zu vollkommener Reinheit geführt, war darin Künstlern wie dem Maler Matisse, wie dem Dichter Racine vergleichbar.» Mit 99 Jahren ist die Tänzerin am 19. Oktober in Paris verstorben. In der Stadt, die ihr seit der Geburt am 22. April 1917 Heimat war.
Mit zehn Jahren wurde Yvette...
Kein Blick zurück im Zorn? Das Schlussbild zeigt Adrian J. Wanliss auf der Galerie, weinlaubbekränzt. Und dieser Dionysos lacht. Es ist kein gewöhnliches Lachen, mit dem er sich von seinem Publikum verabschiedet. Es ist ein spöttisches, ein sardonisches Lachen, eins, das einem eigentlich im Halse stecken bleiben sollte.
Es ist neu – wie so manches an dem Tanzfonds...
Trachtenjoppe, Cargo-Hosen, Rucksack – was hat so ein Bayer im Flachland verloren? Ein Münchner in Dessau? Der Choreograf Josef Eder hat sich diese Frage auch gestellt, wenn er zu Proben aus dem Wohlstands-Süden in den Norden fuhr. Nicht gerade in ein Notstandsgebiet, aber in eine Stadt mit Strukturproblemen, der die Jugend davonläuft. Über das Ausbluten des...
