Gott des Gemetzels
Warum, fragt man sich irgendwann an diesem Abend, kommen die politischsten Schocker der europäischen Tanzgegenwart ausgerechnet aus Großbritannien? Von Kompanien und Choreografen, die frei flottieren, die weder erkleckliche Subventionen kassieren noch an festen Häusern residieren, aber Kunst mit ebenso viel Engagement betreiben wie Community-Arbeit und insofern an die Alltags-realitäten angeschlossen sind? Wieso formuliert kaum ein Tanzmacher auf dem Kontinent so gestochen scharf, was derzeit im Argen liegt – ohne die ästhetische Dimension zu zerfasern, penetrant zu verbeulen oder schlic
ht zu ignorieren?
Theater der Grausamkeit
Tatsache ist: Wie die Kollegen und Inselbewohner Hofesh Shechter und Wayne McGregor versteht sich auch Akram Khan auf ein formstrenges Theater der Grausamkeit. Auf einen Schrecken, dessen Schönheit man nie mehr vergisst. Der einen wehrlos mit sich fortreißt und einer Droge gleicht, die Beklemmung erzeugt und totale Euphorie. Die Überwältigung, die Khans jüngstes Meisterwerk «Outwitting the Devil» bei der Uraufführung im Rahmen des koproduzierenden Stuttgarter Festivals «Colours» ausgelöst hat, verliert sich nicht. In Träumen, Gedankenströmen zwischen ...
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Der Verleger Rudolf Rach war lange Zeit ein umsichtiger Sachwalter, was die Filmrechte der Choreografin Pina Bausch betraf. Vor ein paar Jahren hat die Pina Bausch Foundation in Wuppertal diese Aufgabe übernommen. Pünktlich im 10. Todesjahr der Tanztheater-Doyenne startet sie nun die «Pina Bausch Editions». Als Erstes ist «Palermo Palermo» an der Reihe. Aufnahmen...
Unter all den Begriffen aus Digitalien klingt «Augmented Reality» besonders verlockend. Gemeint ist eine erweiterte Wirklichkeit. Man stelle sich vor, in einem Theater mit einer Brille auf der Nase zu sitzen, wie sie derzeit etwa Microsoft als «HoloLens» entwickelt, um sowohl die reale Bühne als auch – sozusagen vor dem inneren Auge – zusätzliche Informationen zu...
Aus der Tiefe des Raumes in den Raum hinein fährt eine Brücke. Die Räder sind unsichtbar. Ein paar Stufen, ein Geländer links und rechts mit leuchtendem Neon-Ornament. Diese edle, ferngesteuerte Fußgängerbrücke, man darf im Friedrichstadt-Palast gern sagen: diese Showtreppe aus der aktuellen Revueproduktion «Vivid» ist nicht dazu da, einen großen Auftritt zu...
