Global Groove
Eigentlich bräuchte es einen Warnhinweis am Eingang: «Diese Ausstellung könnte Ihre political correctness verletzen.» In einer Zeit, in der weiße Bio-Deutsche sich keine Dreadlocks wachsen lassen dürfen, im Karneval bitte keine ethnischen Kostüme getragen werden und die Lyrik einer schwarzen Autorin auch nur von Schwarzen übersetzt werden sollte, ist «Global Groove» im Museum Folkwang in Essen die pure Provokation: Da posiert die US-Choreografin Ruth St. Denis auf Schwarz-Weiß-Fotos im indisch anmutenden Glitzerstein-Kostüm und mit Yoga und Pseudo-Tempeltanz – sehr anmutig.
Allerdings hatte sie zu diesem Zeitpunkt den Orient noch nie bereist und sich stattdessen ein Fantasie-Indien kreiert. Auf einem Monitor flimmert ein alter Film von Trancetänzen auf Bali, mit extrem ekstatischen, sich exponierenden Tänzerinnen. Dazu der Off-Kommentar der amerikanischen Anthropologin Margaret Mead: Der Westen hat hier die Deutungsmacht. Oder: In Vitrinen ruhen drei Kopf-Plastiken von Auguste Rodin, die die Japanerin Madame Hanako mit schmerzverzerrtem Gesicht zeigen. Hanako war als «Selbstmord-Virtuosin» gewissermaßen das It-Girl des frühen 20. Jahrhunderts, Stadtgespräch, wo auch immer sie ihren ...
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Tanz Oktober 2021
Rubrik: Medien, Seite 48
von Nicole Strecker
Am 24. August 2021 – knapp zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie – hat das Tao Dance Theater in Peking eine Welturaufführung präsentiert: «11». Aber wie sieht es überhaupt aus in der chinesischen Theater- und Tanzszene? Aus meiner Wahrnehmung – ich unterrichte nach meiner Promotion in Deutschland mittlerweile an der Bejing Dance Academy – hat die Pandemie...
Notarzteinsatz in der Rue Barbet-de-Jouy 11, einen Katzensprung vom Hôtel des Invalides entfernt. Paris liegt noch im Schlaf, als Rettungskräfte am Pfingstsamstag, 29. Mai 1982, vorfahren. Gerufen hat sie Laurent Pétin, der Lebensgefährte von Romy Schneider (1938-1982). Er hat die Schauspielerin tot aufgefunden: zusammengebrochen über einem Blatt Papier. Irgendwo...
FERDINAND HODLER UND DIE BERLINER MODERNE
«Die Linien dieser Körper sind unerhört reich an seelischem Leben, Muskel, Haltung, Bewegung im Bann, im Zwang einer überwältigenden Empfindung.» Das schrieb der Redakteur Theodor Heuss 1905 – der gleiche Heuss, der knapp 45 Jahre später als erster Bundespräsident vereidigt wurde. Sein Urteil galt einem Bild des Schweizer...
