Foto: André Le Corre
Freiburg: Sharon Eyal/Gai Behar «Love Chapter 2»
Das kommt nicht oft vor: 60 Minuten zeitgenössischer Tanz, und am Ende erhebt sich das Publikum geschlossen, pfeift und johlt wie bei einem Rockkonzert. Und das gleich zur Uraufführung und obwohl Sharon Eyal im Rund der Oper von Montpellier keine leicht konsumierbaren Körperbilder lieferte, sondern durchaus verstörende Stimmungen.
Eyal und ihr Gefährte Gai Behar hatten dort ein Jahr zuvor mit der Uraufführung von «OCD Love» das Publikum bei «Montpellier Danse» derart beeindruckt, dass das als Fortsetzung angekündigte «Love Chapter 2» im Nu ausverkauft war. Noch dazu kürten Frankreichs Tanzkritiker «OCD Love» kurz vor der Uraufführung des Nachfolgers zum Stück des Jahres. Es war Eyal am Tag vor der Premiere deutlich anzumerken, welcher Druck auf ihr lastete, denn derartige Konstellationen können zum Bumerang werden. Doch es kam anders: Eyal stieg dank der faszinierenden Energie, die von diesem neuen wie von all ihren Stücken ausgeht, endgültig zum Publikumsliebling auf.
Dabei stellt sie selbst gern ihre finstere Seite heraus. «Wenn ‹OCD Love› ein düsteres Stück ist, dann wird ‹Love Chapter 2› noch düsterer», hatte sie im Vorfeld angekündigt. Was glaubwürdig klang, strahlt die ...
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Tanz Oktober 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 36
von Thomas Hahn
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Da steht einer, ganz vorne am Bühnenrand. Von schräg hinten hüpft ein Zweiter heran. In Flummi-Manier oder gerade so wie ein mit Sprungfedern ausgestatteter Akrobat: Nie berühren seine Fersen den Boden, nur Ballen und Zehen touchieren die Erde. Keine Sekunde später hebt der Körper abermals ab. So katapultiert sich der Mann Meter um Meter vorwärts, bis auf...
