Flugsimulatorin

In «Beau Fort 10», dem neuen Solo von Maren Strack, stürmt die Multifunktionskünstlerin zu den Pionierinnen der Fliegerei

«Alles Fliegen ist Erzeugen von Luftwiderstand, alle Flugarbeit ist Überwinden von Luftwiderstand.» Otto Lilienthals Zitat steht als Motto über dem Programm der jüngsten Performance einer Multifunktionskünstlerin, die sich offenbar gern an Widerständen abarbeitet. Die Physik ist ein Teil ihrer Kunst. Deshalb tritt sie gern in Räumen auf, die nicht Theater sind. Diesmal ist es das Verkehrsmuseum des Deutschen Museums in München.

Um an diesem Abend zu Maren Strack zu kommen, muss man an Kutschen, Autos, Motorrädern, Bussen und Trambahnen vorbei, Verkehrsmitteln, die mehr oder weniger gut geerdet sind.

Maren Strack sieht selbst auch nur gelegentlich aus, als flöge sie. Was nicht heißt, dass sie nicht vom Fliegen träumt. Aber ihr neues Stück trägt, obgleich es vom Fliegen handelt, nicht das Fliegen, sondern die Maßeinheit für Windstärken im Titel, Sturmstärke verheißend, «Beau Fort 10». Strack kommt zwar unter anderem vom Tanz her. Und da weiß doch ein jeder, dass Tanzen lange Zeit als etwas Ähnliches wie Fliegen begriffen wurde, nur dass man da einen anderen, nicht minder gewaltigen Widerstand zu überwinden hat: die Erdanziehung.

Natürlich ist die Schwerkraft bei zeitgenössischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2007
Rubrik: Premiere, Seite 26
von Eva-Elisabeth Fischer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Elise Ralston

Geboren in São Paulo, studierte sie Cec-chetti-Technik bei Maria Melo, ehemalige Primaballerina der Scala di Milano. Nach der klassischen Ausbildung an der Stuttgarter John-Cranko-Akademie lernte sie in New York moderne Tanztechnik und Yoga kennen. Am Alan Bateman Institute for Health Body Education absolvierte sie ihre Yoga-Ausbildung. Zurück in Deutschland, wurde...

Göhre und Soto: "Ein neuer Sommernachtstraum"

Dass junge Choreografen alte Vorlagen ändern, ist ihr gutes Recht. In Schwerin tun das Annett Göhre und Cayetano Soto gleich in zweierlei Hinsicht. Ihr Gasteinstand «Ein neuer Sommernachtstraum» beruft sich zwar im Titel auf Tom Schillings Uraufführung für sein Tanztheater der Komischen Oper von 1981 und nutzt auch, nach eigener Aussage leicht umgestellt, Georg...

Mei Hong Lin: "VergissMeinNicht"

Ach, wie die Zeit vergeht! Bei Federico García Lorca sollen das wechselnde weibliche Kleidermoden verdeutlichen und das wiederholt zitierte Gedicht von einer Rose, die Farbe und Festigkeit wechselt, bis sie vergeht. Die Hauptfigur im Drama «Doña Rosita bleibt ledig oder Die Sprache der Blumen» (ca. 1935) ist so ein Blümchen. Ihr Bienerich schnüffelt an ihr und...