Lucia Lacarra, Marlon Dino in «Tschaikowsky»; Foto: Bettina Stöß
Dortmund: Rachmaninow/Tschaikowsky
Am Ende stirbt sie. Nein, er. Beide? Es geht ziemlich romeo-und-julia-mäßig hin und her in Xin Peng Wangs Choreografie zu Tschaikowskys 6. Sinfonie. Deren Berühmtheit liegt bekanntlich auch darin, dass der Komponist kurz nach ihrer Uraufführung unter mysteriösen Umständen verschied – ahnte das Genie den nahenden Schnitter? In die sogenannte «Pathétique» ist unüberhörbar ein Sterben hineinkomponiert, und so verhüllt am Ende wahrhaft «todschicker» Trauerflor von Kostümdesigner Bernd Skodzig das exquisite Dortmunder Ensemble.
Von dem man an diesem Abend ohnehin nicht genug zu sehen kriegt, weil es entweder komplett verkleidet oder nur dekoratives Beiwerk für zwei neue Ruhrpott-Stars ist: Lucia Lacarra und Marlon Dino, Ex-Solisten des Bayerischen Staatsballetts.
Xin Peng Wang ist derzeit offenbar ganz beseelt davon, die beiden Top-Player der Bayern für die Dortmunder verpflichtet zu haben. Schon in seinem letzten großen Handlungsballett «Faust II» durfte das Traumpaar Lacarra-Dino seine kühle Grandezza auf die Bühne zirkeln. Jetzt gehört der «Tschaikowsky»-Teil nahezu ganz dem Titan und der Nymphe. Dabei wäre ihr tragik-durchschauertes Slow-Motion-Ballett völlig anachronistisch, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine schwere Verletzung ist für Tänzer ein einschneidendes Erlebnis, umso mehr, wenn sich Operationen und Genesung über zwei Jahre hinziehen. David Hallberg, Erster Solist beim American Ballet Theatre, verarbeitet sein Trauma in einer gut geschriebenen Autobiografie, spannt darin den Bogen von seinen ersten Stepptanzschritten in der heimischen Waschküche hin zur...
Es geht auch anders. Statt eine Sparte einzusparen, eine aufzubauen. 2011 übernahm Holger Schultze am Theater Heidelberg die Intendanz und fand auf dem Tanzsektor eine Situation vor, die weder den Kooperationspartner Freiburg befriedigte noch die Zuschauer. Er sann auf Abhilfe. Nanine Linning hatte schon unter seiner Intendanz in Osnabrück das Publikum gehörig...
Geplant hat er vieles. Ein «Aphrodite»-Ballett etwa, «Amphion», «Daphnis et Chloé», «Masques et Bergamasques», und unter dem vielversprechenden Titel «Crimen Amoris» ein «Poème chanté et dansé d’après Verlaine». Wirklich zu Ende komponiert hat Claude Debussy nur «Jeux», und das im Auftrag der Ballets russes: eine choreografische Ménage à trois, beunruhigend in...
