disabled theater
Die jüngste Arbeit des französischen Choreografen Jérôme Bel, Premiere war beim «Kunstenfestivaldesarts» in Brüssel, heißt «Disabled Theater». Der Name beschreibt, wie immer bei Bel, akkurat bereits den Inhalt: ein Stück, gemacht von geistig Behinderten, die allesamt professionelle Performer des Theater Hora in Zürich sind.
Es mag überraschen, dass ein Mann, der sich so akribisch mit den Mechanismen des Theaters auseinandersetzt, der mit Tänzern wie Véronique Doisneau oder Cédric Andrieux gearbeitet hat, seine Energien nun auf Behinderte richtet, die sich gar nicht erst an herkömmliche Hierarchien, an die Regeln von Ballett oder Modern Dance halten müssen. Für Bel war es zunächst auch gar nicht leicht, seine Akteure überhaupt zu verstehen. Die Kompanie verständigt sich auf Schwyzerdütsch, also musste sich der Choreograf einer Übersetzerin – der Schweizer Choreografin Simone Truong – bedienen, um zu erspüren, wie die Gruppe denkt und fühlt. Aus der Distanz aber hat Bel eine Tugend gemacht. Er wahrt Abstand und zeigt respektvoll seine Faszination für die berührende Präsenz dieser Kompanie. Er macht also genau das, was sein Werk auch sonst auszeichnet: dokumentarisches Theater.
Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2012
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Pieter T‘Jonck
Der Kolonialismus ist auch hundert Jahre nach dem Roman «Reise um die Erde in 80 Tagen» von Jules Verne nicht tot. Er hat nur, folgt man Michele Di Stefano und seiner Kompanie MK, einen neuen Namen angenommen: Tourismus heißt der neue Kolonialismus.
Darüber kann man streiten, aber in beiden Fällen geht es um eine, gelinde gesagt, verquere Haltung zum Reisen. Um das...
Sylvie Guillem,
Sie haben 1989 das Ballett der Pariser Oper verlassen und sind als freie Künstlerin zum Weltstar geworden. So viel Wagemut ist im Tanz selten, eine solche Karriere auch. Wie kommt das? Ich denke, Tänzer sind ein wenig zu diszipliniert. Sie werden vom ersten Moment der Ausbildung, die in der Regel in sehr jungen Jahren beginnt, infantil gehalten....
buch_________
sasha waltz
beendete ihr letztes Interview für eine Buchreihe namens «Nahaufnahme» im Sommer 2007 mit einem «ganz banalen Wunschtraum»: «Mal wieder richtig Zeit zu haben.» Das war nötig. Denn vier Jahre später erzählt sie Michaela Schlagenwerth mit großer Offenheit, in welchem Zustand sie damals tatsächlich war. Bei der Wiederaufnahme ihres Stücks...
