avignon: christian rizzo «sakinan göze Çöp batar»

Tanz - Logo

Sprichwörter aus anderen Kulturen können manchmal recht befremdlich wirken. So titelt Christian Rizzo lieber gleich auf Türkisch: «Sakinan Göze Çöp Batar».

Woran würden wir auch denken, wenn es auf Deutsch hieße: «Das Auge, das du schützen willst, wird durchbohrt werden»? Klingt wahlweise nach Altem Testament oder PKK. Dabei lautet die Botschaft: «Klammere dich nicht zu sehr an etwas, sonst wird es dir am Ende nur entrissen, so, wie deine Identität oder deine Heimat.

Wandern musst du ohnehin, und wenn du immerfort das bewahren willst, was du schon heute nicht mehr bist, wirst du dich bloß von dir selbst entfernen.» Was für eine kluge Wahrheit.

Wie ein Mensch mit sich selbst auskommt, wenn er seine Heimat verlassen hat, ist eine Frage, der sich Christian Rizzo seit Längerem widmet. Tänzern, die fern ihrer Heimat leben, schreibt er Soli auf den Leib oder in die Seele, wie etwa 2008 der wunderbaren I-Fang Lin aus Taiwan, die inzwischen zu den Stars der Kompanie von Mathilde Monnier gehört. Jetzt ist Kerem Gelebek aus der Türkei dran, der in den letzten Jahren sowohl in Rizzos Kompanie Association fragile tanzte als auch mit Emmanuelle Huynh, Mustafa Kaplan/Filiz Sizanli und Boris ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2012
Rubrik: highlights, Seite 43
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
persönlich

benois de la danse___
pierre lacotte

ein wirklicher Grandseigneur, erhielt beim diesjährigen «Tanz-Oscar», dem «Prix Benois de la Danse», seinen Lebenswerk-Lorbeer. Kurz nach seinem achtzigsten Geburtstag wurde er in Moskau für seine Verdienste um die Tanzkunst ausgezeichnet. Von «La Sylphide» über den «Pas de Quatre» bis «Coppélia» hat kein anderer so viele...

avignon: forced entertainment «the coming storm»

Seit ihrer Gründung 1984 rätseln Forced Entertainment über das Geheimnis des Geschichten-Erzählens, hielten ihr Publikum mit nächtelangen Märchen-Marathons wach und entwickelten Mini-Plots, ohne je zu einer Pointe zu gelangen. «Aber jetzt», so verrät die selbstgewisse Dozenten-Pose der sechs Performer gleich zu Beginn im Essener PACT Zollverein, – jetzt wissen sie...

wien: jefta van dinther «grind»

Die Dunkelheit scheint zu atmen. Aus ihr erhebt sich, kaum sichtbar, ein Lichtschein. Schmutziges Violett. Die Kraft, die es kostet, das überhaupt wahrzunehmen, wird mit immer mehr Sichtbarkeit belohnt. Das diffuse Licht pulsiert im Rhythmus der Musik, bringt den Raum in Bewegung, als sei er ein eigener Organismus, vielleicht krank, vielleicht gefährlich. Nur...