die weise von liebe und tod
Johan Simons, der bisherige Intendant der Münchner Kammerspiele, nun Intendant der «Ruhrtriennale», liebt den Tanz. Er war selbst einmal Tänzer. Den nachhaltigen Schlussakkord seiner ersten Triennale setzte Anne Teresa De Keersmaeker. Sie modulierte aus Rainer Maria Rilkes fiebrigem Prosa-Poem «Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke» ein synästhetisches Tanz-Theater, in dem Wort, Bewegung und Musik zu einer grandiosen Synthese verschmelzen. Die außergewöhnliche Tänzerin De Keersmaeker überrascht dabei als ebenbürtige Schauspielerin.
Denn sie vermag die rhythmisch getaktete Erzählung vom jungen Soldaten, der während der Türkenkriege in naiver Euphorie dem Heldentod entgegenreitet, mit voller Bruststimme auf Deutsch zu deklamieren. Man hört also den berühmten Beginn: «Reiten, reiten, reiten.» Sie lauscht dem Poem mit dem Körper den ihm eigenen Takt ab, lässt sich von ihm beatmen, was die Phrasierung des Gesprochenen wie auch der Bewegung bestimmt. Getragen von ihrer höchst musikalischen Diktion, transformiert sie rastlos trippelnd, aushufend, sich drehend und dehnend die Sprache in Tanz. Ohne je der Versuchung zu erliegen, das gesprochene Wort zu verdoppeln.
Und es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 45
von Eva-Elisabeth Fischer
audition
En-Knap Productions & EnKnapGroup Dance Company, Ljubljana, Slovenia
experienced dancers and actors (f/m)
Audition: 28, 29 November in Ljubljana
Deadline: 16 November
Applications with CV, contact details, and photo to:
goran.pakozdi@en-knap.com
event
20 Jahre TANZINOLTEN
Jubiläumsfestival, 18.–22. November
In der Jubiläumsausgabe prägen atemberaubende...
Rheinabwärts nähert sich Stephan Thoss seinem nächsten Direktorenposten, den er 2016 in Mannheim antritt. Nach einer Uraufführung in Basel studierte er zwei seiner Werke beim Ballet du Rhin ein, wo Tanzdirektor Ivan Cavallari in den zwei Jahren seines Wirkens die eher an Paris orientierte, akademisch-einheitliche Kompanie seines Vorgängers Bertrand d’At in eine...
Dunkelheit, dann eine Leinwand, darauf ein roter Punkt, pulsierend wie ein Herz. Plötzlich taucht Shantala Shivalingappa aus der Finsternis auf, eine zierliche, beinahe gotisch-sakrale Figur: «Es war einmal, bevor die Zeit Zeit war, da war alles nichts, und das alles, das nichts war, begann.» So hebt «AM I» an, die jüngste Produktion des australischen Choreografen...
