berlin
Was haben wir da gerade gesehen? Renaissance-Tanz, Modern Dance, Postmodern Dance? Auf jeden Fall eines jener seltenen Stücke, die zugleich höchst anregend sind, zeitweise lustig, und die einen am Ende dennoch ziemlich verwirrt zurücklassen. Was sollen all die drolligen pseudo-historischen Kostüme bedeuten? Schwer zu sagen.
Andere Fragen sind drängender. Etwa, wie wir uns selbst historisch begreifen, unsere Stellung in unserer Epoche einschätzen.
Symbolisch wird diese Frage in Form zweier Regie-Entscheidungen aufgegriffen: Zum einen hat die Performance längst begonnen, bevor irgendein Zuschauer den Raum betreten hat und sie dauert auch nach dem Schlussapplaus an, bis der letzte den Saal verlassen hat. Desweiteren ist das Publikum durch die Sitzanordnung auf zwei einander gegenüberliegenden Tribünen gezwungen, sich ständig selbst im Blick zu haben.
Bereits zu Anfang kommt leichte Verwirrung auf, wenn die fünf in Renaissance-Kostüme gesteckten Tänzer in feierlicher Manier über die Bühne schreiten und hüpfen. Zu spätmittelalterlichen Klängen, die, wie die Bewegungen der Performer, alsbald kleine glitches aufweisen Störungen, Verzerrungen, Verzögerungen, bis schließlich ein Metronom ...
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Tanz November 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 36
von Pieter T'Jonck
Johan Simons, der bisherige Intendant der Münchner Kammerspiele, nun Intendant der «Ruhrtriennale», liebt den Tanz. Er war selbst einmal Tänzer. Den nachhaltigen Schlussakkord seiner ersten Triennale setzte Anne Teresa De Keersmaeker. Sie modulierte aus Rainer Maria Rilkes fiebrigem Prosa-Poem «Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke» ein...
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