Dansgroep Amsterdam «Raak»
Drei kurze Tanzstücke, gekoppelt wie Anhänger, verkürzen einen Abend ungemein. Man muss nichts Großes erzählen und kann die Themen wechseln wie Drinks. So trafen wir in Amsterdam auf Elvis, seine tote Seele heruntergedimmt wie die fünf Wohnzimmerlampen auf leerer Bühne. Fünf Tänzer, deren Körper zu ihrer eigenen ausgestreckten Hand heftig vorpreschen, um ihre Brust zu schlagen. Ein untröstliches Mea culpa für den toten King, eine Handarbeit der israelischen Choreografin Liat Waysbort namens «Bittersweet». Es war schon ihr zweiter Versuch, den Helden ihrer Jugend zu beweinen.
Bei einem Cocktail-Empfang gäbe sie die Retro-Melancholikerin, die man schützend in die Mitte nimmt, wie es hier die 2009 gegründete Dansgroep Amsterdam tut, mit ihrem Landsmann Itzik Galili und der Kurt-Jooss-Schülerin Krisztina de Châtel.
Itzik Galili zeigt in «Or» seine alte Lust an der Geometrie, den klaren Schritt, die gekrümmte Linie, den fahrenden Würfel, der auf Rollen die Lichtquelle hergibt, der von den Tänzern herumgeschubst wird, um immer neue Reihen, ja ganze Fresken zum Tropfen und Klirren der Perkussionskunst einer Band namens Percossa zu beleuchten. Immer wieder stehen acht Tänzer in Phalanx ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Explorationen 10» – das vierte Symposion für Lernaktivisten auf PACT Zollverein in Essen befragt die Kunst der Praxis u. a. mit Blast Theory, Kate McIntosh und Gesa Ziemer, 9.–13. Juni. Motivationsschreiben bis 2. Mai an:
ingo.kaulbars@tanzplan-essen-2010.de
Die Universität der Künste Berlin lobt einen neuen biennalen Preis für interdisziplinäre Kunst und...
In diesem Buch über Meg Stuarts Schaffensprozess zu blättern, das ist wie das Wühlen in einer Schatztruhe oder eine Fahrt ins Blaue. Man sollte besser nichts Bestimmtes suchen, sondern Zeit mitbringen. Man huldige dem Sich-Verlieren, wie es Stuart ihren Tänzern nahelegt: «Oft sage ich ihnen: Dein Körper gehört nicht zu dir. Diese Idee ermutigt sie, ihre...
Da ist sie wieder, in alter Größe und auf den Spuren des totalen Spektakels: Ariane Mnouchkine. Ganz offensichtlich will sie zeigen, dass die große Direktorin des revolutionären Theaters in Frankreich noch längst nicht mundtot ist, und dreht ausgerechnet einen Stummfilm. Mnouchkines neues Stück «Les naufragés du Fol Espoir» ist das Making-of eines Films aus der...
