Chemnitz: Robert Bondara «Winterreise»
Gutes Zeichen, wenn nach dem letzten Ton nicht sofort dröhnender Applaus in die Stille donnert. So geschehen bei der Chemnitzer Uraufführung des Tanzstückes «Winterreise» von Robert Bondara zum Lieder-Zyklus von Franz Schubert. Schon wenn im zunächst leeren Bühnenraum von Hans Winkler bedrohliche Wände aus Eis herunterfahren und sich die Pianistin Anna Beinhauer an den Flügel in einer grabesähnlichen Aushebung begibt, zieht eine Intensität auf, der man sich nicht entwinden kann.
Von mehreren Tänzern gespiegelt und zuerst von ihnen nicht zu unterscheiden, beginnt der Bariton Andreas Beinhauer als fremder Wanderer seine Reise durch diese eisige Chemnitzer Landschaft. Für jedes der 24 Lieder mit Texten von Wilhelm Müller findet er individuelle Facetten der Gestaltung.
Der polnische Choreograf Robert Bondara gibt mit dieser «Winterreise» sein Deutschland-Debüt. Er vermag klassische und zeitgenössische Tanzsprache in spannende Dialoge zu setzen, was gut zum Konzept von Ballettdirektorin Sabrina Sadowska passt und den Chemnitzer Tänzern hervorragend gelingt. So ist die Verschmelzung der Stile das Leitmotiv der choreografischen Annäherung an dieses Schlüsselwerk romantischer Liedkunst. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2019
Rubrik: Kritik, Seite 46
von Boris Gruhl
Michael Stolhofer, schlohweiße Haare, die sich ein Leben lang gegen die Ordnung der Friseure aufgelehnt haben, ist ein Mann des entspannten Dialekts. Den Salzburger Zungenschlag pflegt er in einer immer etwas empört klingenden Mundart. Dabei wirkt er sehr charmant. Nie lässt er die Spur eines Ressentiments anklingen. Wenn er erzählt, von Salzburg und seiner...
In Spanien geboren, in Genf ansässig – und angenehm aufsässig, was die Tanzkunst angeht: Maria Ribot alias La Ribot bekommt den «Schweizer Grand Prix Tanz 2019». Wie es aus der Jury hieß, verbinde die Tänzerin und Choreografin in ihren Stücken «politische Aussage» mit «Frische, Humor und Ironie», und das seit über 30 Jahren. Dafür wird sie just auch mit einer...
Outwitting the devil
Zuletzt hat er mit «Giselle» fürs English National Ballet einen Supercoup gelandet, jetzt wagt sich Akram Khan mit seiner eigenen Company an einen Urmythos der Menschheit: «Outwitting the Devil» tanzt auf den Spuren des Gilgamesch-Epos vom Anfang der Zivilisation ins Hier und Heute
William Forsythe
70 Jahre wird er alt, der Amerikaner, der...
