bul-ssang - ahn aesoon
Im Koreanischen hat «Bul-ssang» zwei Bedeutungen: Zum einen bezeichnet es die Statue Buddhas, zum anderen bedeutet es «bemitleidenswert». Selbst wer kein Buddhist ist, wird beim Anblick einer Buddha-Statue in einem Tempel eine gewisse Ehrfurcht empfinden. Sieht man die Statue jedoch in Ahn Aesoons Stück, dessen Titel mit der Doppeldeutigkeit des Wortes spielt, dürfte Mitleid das Gefühl von Ehrfurcht überwiegen – weil wir in der Buddha-Figur im Verlauf des Stücks immer mehr einen bloß profanen Gegenstand ohne spirituellen Kern erkennen.
Dieser «bemitleidenswerte Bul-ssang» ist eine Installation des koreanischen Pop-Art-Künstlers Choi Jeong-Hwa, in der die Choreografin und Leiterin der Korea National Contemporary Dance Company (KNCDC), Ahn Aesoon, ein spannendes zeitgenössisches Drama zwischen Ost und West als bunte Mixtur verschiedener sakraler wie profaner Symbole, Zeichen und Bewegungen entwickelt. Der Vorhang öffnet sich und gibt den Blick auf ein totales Chaos frei. Die Bühne ist mit allen möglichen religiösen Figuren übersät: ein goldener Buddha, Jesus, Maria sowie diverse Geister und überirdische Wesen. Zwischen diesen Figuren beginnen die KNCDC-Tänzer ihr ausgelassenes ...
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Tanz August-September 2015
Rubrik: Produktionen, Seite 16
von Injoo Chang
Sechs Frauen lassen die Köpfe kreiseln. Sie pusten zart, küssen die Luft, wiegen sich breitbeinig im bisschen Wind, den sie machen. Die Rücken schwanken, die Arme rudern. Auf die Bühne gepflanzt, neigen sie sich wie Pflanzen, um bald festzustellen, dass sie doch nur Tänzerinnen sind. Also kläffen sie wie Hunde, sobald nur eine aus der Ordnung des Gemüsegartens...
Meg Stuart, seit 2006 in Berlin lebend und unlängst 50 geworden, arbeitet ihr halbes Leben lang an einem Werk, das sich als fortgesetzte Grenzüberschreitung begreift. Protagonisten sind meist die Hypersensiblen, die Versehrten, möglicherweise zersplitterte und jeweils neu zusammengesetzte Spiegelbilder ihrer selbst. Geboren wurde Meg Stuart in New Orleans, ihre...
Noch ist die Bühne nicht abgeräumt. Ein paar Strohballen lassen sofort an «La Fille mal gardée» von Frederick Ashton denken. In zwiefacher Gestalt findet sich das Federvieh, und auch das rote Band ist da, das in der Uralt-Inszenierung des Royal Ballet eine nicht nur dekorative Rolle spielt. Emma Daniel könnte man sich darin durchaus vorstellen. Doch der...
