Li Ximin, Foto: Thomas Müller

Brüssel: Wen Hui «Red»

Tanz - Logo

Eine Leinwand wie im Kino. Auch wenn der Vorhang noch geschlossen ist, erkennt man durch den roten Stoff bereits die Umrisse eines Plakats, mit dem einst die Filmversion des Balletts «Das Rote Frauenbataillon» beworben wurde. Davor die vier Protagonistinnen des Abends, die Hände scheinbar gebunden oder zu drohenden Fäusten geballt: Gesten, zu Posen erstarrt, in denen sich schon im Original vor mehr als fünfzig Jahren die Aussagekraft der Choreografie verfestigt hat.

Wie in einem Lehrbuch der Geschichte blättert Wen Hui wenig später in den Gedanken aller Beteiligten. Doch nicht nur Jiang Fan, Li Xinmin, Liu Zhuying und sie selbst kommen in «Red» zu Wort. In ihrem dokumentarischen Tanzstück lässt die Direktorin des Living Dance Studio Beijing in eingeblendeten Interviews auch ehemalige Tänzer und Tänzerinnen in Erinnerungen schwelgen – kritisch kontrapunktiert durch eingeblendete Aussagen ganz unterschiedlicher Provenienz, die das populärste der acht «Revolutionären Modelltheaterstücke» am Ende noch aussagekräftiger machen, als es das Autorenkollektiv ursprünglich wohl beabsichtigt hat. So spricht einer der Augenzeugen einmal von der «schuldhaften Freude der Zuschauer» und meint ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 43
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
Delicate Instruments of Engagement

Kunsthalle Düsseldorf. Hier war auf Einladung des «Impulse Theater Festivals» und des Forum Freies Theater Düsseldorf die jüngste Arbeit der rumänischen Tänzerin Alexandra Pirici zu sehen. Arbeit heißt hier: eine «fortlaufende performative Aktion» betrachten zu dürfen, die sich zitatweise um Joseph Beuys’ japanische Whisky-Werbung und um Pussy Riots Punk-Gebet in...

R.I.P., Ballettomanie?

Vor ein paar Jahren – es war nach einer Vorstellung des Northern Ballet, ich wollte gerade das Theater verlassen – winkte mir der Startänzer der Kompanie freundlich zu. Er hatte schon etwas an der Bar getrunken, leerte sein Glas und kam dann rüber zu mir, um ein paar Worte mit mir zu wechseln. Als ich einmal beiläufig an ihm vorbeisah, fiel mir eine Frau mittleren...

Kirill Serebrennikov

Kirill Serebrennikov ist ein Vorzeige-Regisseur der Perestroika-Ära, die mit Michail Gorbatschow noch zu Sowjetzeiten begann, aber längst Geschichte ist. Geht es nach dem Willen seiner Gegner, könnte das bald auch für die Karriere des in Bedrängnis geratenen Künstlers gelten, der zur Jahrtausendwende wie eine Supernova am Regiehimmel auftauchte. Die ersten...