Biographie
Wer ein Buch mit dem Titel «Rudolf Nurejew. Die Biographie» versieht, erweckt den Anschein, Werden und Wirken des Startänzers mehr oder weniger umfassend geklärt zu haben. Sonst stünde da schließlich eine bescheidenere Formulierung, etwa «Eine Biografie». In Nurejews Fall liegen bereits etliche als «Die Biographie» annoncierte Lebenspanoramen vor, nun packt Jan Stanislaw Witkiewicz seine dazu. Den Erwartungen, die das «Die» erweckt, ist freilich bislang nur Julie Kavanagh gerecht geworden.
Ihre knapp 1000 Seiten starke, vor zehn Jahren vorgelegte Würdigung «Nurejew. Die Biographie» ist der Standard, an dem sich Witkiewiczs Publikation messen lassen muss. Das Ergebnis ist eher unvorteilhaft.
Was nicht am Volumen liegt, denn die 200 Seiten von Witkiewiczs Porträt enthalten durchaus Wesentliches und manchmal auch das Wesentliche. Das Problem ist der bisweilen reichlich laxe Umgang mit Fakten, über den offenbar auch kein Lektorat gestolpert ist. Ein Beispiel nur von vielen: Der Autor setzt Nurejews Todeskampf in einem Hospital (so war‘s!) an den Anfang seiner Geschichte, bettet den Tänzer aber zuletzt auf ein «Sterbebett» daheim, am Quai Voltaire 23, Paris. Solche Patzer sind ...
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