Bielefeld
Koberfenster sind Schaufenster für Prostituierte. Man kennt sie in Amsterdam, Braunschweig oder Dortmund. Nicht in Bielefeld. Bis jetzt. Dank des dreistöckigen Bühnenbilds von Stephan Mannteuffel, Schüler des großen Erich Wonder, Baumeister bei Heiner Müller und Einar Schleef, ist diese Sonderform der Nötigung zur Transparenz jetzt auch hier zu bewundern. Erst staunt man über die verglasten Bauklötze, die wie bei Tetris aussehen, dem Urcomputerspiel, dann denkt man an Betonburgen, das gleichförmige Nebeneinander von privaten Kleinstsphären.
Dank einer von der Bühnendecke schauenden Kamera sieht man aus der Perspektive eines Hochhausdachs hinab auf fünf Tanzpaare, die aus der Vorstadtdisko torkelnd ihren Wohnsilo erreichen, umfallen und für die Kamera den «Sacre» im Liegen proben.
Deftig intonieren die Bielefelder Philharmoniker unter Leitung von Pawel Poplawski zeitgenössische Musik von Tristan Keuris, Wolfgang Rihm, György Ligeti und Francesco Antonioni, die klingen möchte, wie sich der Expressionismus zu Beginn des letzten Jahrhunderts expressionistische Musik vorgestellt hat. Also dämmert hier immerzu eine Ahnung von «Sacre» herauf. Das Tanzvokabular gibt sich dem Ausdruckstanz ...
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Tanz Dezember 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 36
von Arnd Wesemann
Nicht nur zur Weihnachtszeit möchte man die Nuss knacken. Doch wie soll man auf der Ballettbühne das Immergrün des Tannenbaums zum Verschwinden bringen? Wie einen Klimawandel begründen, der im Frühjahr oder Herbst die Schneeflocken walzerselig tanzen lässt? Peter Tschaikowsky hat dafür die Musik geschrieben, und die lässt sich allenfalls umdeuten, nicht aber...
Alexander Ekman erhält den diesjährigen Theaterpreis des Deutschen Bühnenvereins, «DER FAUST» für seine an der Dresdner Semperoper entstandene Produktion «COW» (tanz 4/16), eine elegant durch Stile und Epochen stolpernde Eloge auf das Rindvieh im Menschen. Die Wahl fiel natürlich nicht deshalb auf Ekman, weil er verwandt wäre mit Gösta Ekman, dem Protagonisten des...
Tänzer, nackt, im öffentlichen Raum: mal balancierend auf dem Eingangsschild zum Berliner U-Bahnabgang an der Weinmeisterstraße, mal im Grand jeté vor dem Brandenburger Tor. Jordan Matter, 48, ist kein Skandalfotograf, eher ein Abenteurer, der es mühelos schafft, Tänzer aus diversen Kompanien in ein ganz besonderes Nachtleben zu entführen. Sie proben mal in...
