Joël Laillier: «Entrer dans la danse. L‘Envers du Ballet de l‘Opéra de Paris», Paris 2017
Beruf und Berufung - Wieso Tänzer werden?
Warum wollen Kinder Ballettstars werden? Wollen sie es überhaupt? Sind es nicht vielmehr die Erwartungen der Eltern, die sie in den Mahlstrom der Institution werfen, die sowohl Kinderseelen als auch adoleszente Körper einer gnadenlosen Auslese unterwirft? Der Soziologe Joël Laillier, der an der Universität Toulouse III – Paul Sabatier forscht, will mit seiner Studie zu einer «Soziologie der Berufung» beitragen, am Beispiel der Pariser Oper.
Vom Ballett wie von der Opéra verstand er anfangs wenig, doch gelang es ihm, die Türen der ehrwürdigen Institution wie die ihrer Tanzschule zu öffnen, die heute von Élisabeth Platel geleitet wird (tanz 6/16). Sein Trick: Zuerst die Eltern interviewen, die ja so stolz auf ihre Sprösslinge sind. Über sie fand er Zugang zu den Eleven. Sein Fazit: Die Schule produziert Uniformität, körperlich wie sozial. Sie ist kein Schmelztiegel, sondern ein Hort des Bürgertums.
Das war früher anders, wenn nicht genau umgekehrt. Da kamen die «petits rats», wie sie im Ballettjargon heißen, zumeist aus der Unterschicht. Die Eltern hofften auf Aufstieg, bürgerliche Heirat – aber das Ganze hatte auch den Ruch von Prostitution. Laillier folgert: Die Zielgruppe hat sich ...
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