berlin: isabelle schad, laurent goldring «der bau»

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Laurent Goldring – Medien- und bildender Künstler, bevorzugtes Material: der lebende Körper – wohnt in der Nähe des Pariser Marché Saint-Pierre, eines Kaufhauses für Stoffe aller Art und Preisklassen. Von dort brachte er für die Tänzerin Isabelle Schad einen gefühlten Quadratkilometer Tuch mit, um es in eine Art Behausung zu verwandeln. So setzen sich beide mit Franz Kafkas Erzählung «Der Bau» auseinander: der Geschichte eines Tiers, das sich in ein abgeschottetes Labyrinth zurückgezogen hat und zusehends von Verfolgungsängsten geplagt wird, obwohl nie ein Feind auftaucht.

Isabelle Schad kommt splitternackt auf die Bühne des Espace Pasolini in Valenciennes, beugt den Oberköper nach vorn und legt die Hände auf die Knie. Ihre Ellbogen vollführen beklemmende, kreisende Bewegungen, während die Finger an den Beinen herabfahren. Das wirkt fast zwitterhaft, nicht mehr ganz menschlich und noch nicht wirklich animalisch. Wie die Ich-Figur bei Kafka.

Schads Nacktheit empfindet man binnen Kurzem als Normalzustand eines Körpers, über den sich die zweite, umfassende Nacktheit des völlig leeren Raums legt wie die beunruhigende Wärme einer Isolationshaft-Zelle. Nur eine entfernte, verstörende ...

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Tanz Januar 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 36
von Thomas Hahn

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