Berauschend
Im Varieté turnen Akrobaten von Nummer zu Nummer. Nach jeder folgt der Applaus wie das Amen. Auch das Chamäleon in den Berliner Hackeschen Höfen hält sich seit 14 Jahren an diese Regel. Der Unterschied: Es lädt Yaron Lifschitz ein. Der Australier und seine Kompanie Circa legten hier schon 2011 mit «Wunderkammer» eine Sensation hin. Das Choreografische, der Tanz eroberte den Zirkus. In der aktuellen Show, «Circa’s Peepshow», wird zwar bis zur Pause auch nur Nummer um Nummer gereicht – Klassiker wie Luftring, Dreimannhoch, Aerial. Man beschwört die 1980er-Jahre.
Damals gehörten Peepshows noch zum Stadtbild. Aber anzüglicher als ein Striptease, bei dem der Busen der Weltklasse-Hula-Hoop-Artistin Jessica Connell durch ein Paar pinkfarbene Seidenhandschuhe stets im rechten Moment bedeckt bleibt, wird es nie. Dazu schallen «Sweet Dreams», der Hit der Eurythmics. Bald aber stammen die «Sweet Dreams» von den Soul Rebels (1996), dann von den Scala & Kolacny Brothers (2014). Dazu wummern Bässe, die man sofort erkennt: Am Musikpult steht Ori Lichtik, der Komponist, der sonst die Tanzkompanie L-E-V von Sharon Eyal und Gai Behar versorgt. Das Varieté erreicht sofort Kunsthöhe. Das Nummernhafte ...
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Tanz Dezember 2018
Rubrik: Side Step, Seite 22
von Arnd Wesemann
Sia Kate Isobelle Furler, kurz Sia, stürmt in regelmäßigen Abständen die Charts. Ihre R&B-Balladen und angejazzten Songs gehören zum Feinsten, was der Weltpop derzeit zu bieten hat. Dem Tanz ist die bald 43-jährige Australierin von jeher zugetan, und dass sich das auch kommerziell bezahlt macht, zeigt ihr jüngstes Koop-Projekt: Im Frühjahr wird sie bei «Repetto»,...
Ein Bahnsteig. Eine Ballerina. Sie steht auf Spitze, leicht gestützt auf eine Bank, schaut entrückt aus dem Bild. Auf der Bank sitzt teilnahmslos eine Dame mit Gepäck. Die Ballerina scheint unsichtbar. «Es ist früh am Morgen in Ost-Berlin», sagt Ute Mahler, eine der interessantesten Fotografinnen der letzten vierzig Jahre – stilprägend und sozial engagiert.
Diese...
Es gibt ein Thema, bei dem Yuri Fateev sofort der Hut hochgeht. Der Chef des Petersburger Mariinsky-Ballett würde am liebsten eine Trademark «Marius Petipa» installieren, findet er doch den Umgang mit dem wegweisenden Œuvre des Franzosen katastrophal: «Die Klassiker werden ruiniert, weil Leute wie Nurejew sie in den Westen exportiert und dann ihr eigenes Ding...
