Ballerinas Welt

«Ballerina», ein Film von Bertrand Normand


Edgar Degas hätte an dem Film seine Freude gehabt. Wann immer die Kamera auf dem Gesicht einer Tänzerin verweilt, verklärt sich ihr Blick. Aufs Schönste ausgeleuchtet, erscheint das Schicksal einer «Ballerina» so unangestrengt, leichtfüßig, ohne jede Erdenschwere. Nichts kann ihren Höhenflug noch hemmen.

Aber die Dokumentation von Bertrand Normand beweist so abschreckend wie eindrucksvoll auch das Gegenteil. Eine einzige Audition in der Vaganova Ballettakademie genügt, um einem die Augen zu öffnen, was künftige Künstlerinnen an Kasteiung erwartet.

Wie Tiere werden die halbnackten Schülerinnen zur «Schlachtbank» geführt, wo ein Pädagoge vor versammelter Kollegenschaft ihre kindlichen Körper in jede noch so unnatürlich anmutende Haltung zwingt und dabei auf ihre Scham keinerlei Rücksicht nimmt.

Hauptsache, das «Material» stimmt. Das sei in der Rossi-Straße und nebenan am Theaterplatz nun in guten Händen. Monatelang hat sich der Filmemacher in St. Petersburg umgetan. Alle wichtigen Größen kommen bei ihm zu Wort, Altynay Asylmuratova, Olga Chenchikova, Galina Kekisheva, Olga Moiseyeva, Ludmila Safronova und wie die ehemaligen Ballerinen alle heißen. Der Generaldirektor des Mariinsky, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2009
Rubrik: DVD-Besprechung, Seite 24
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Goodbye, Merce

«It’s finally happened. Like John, Merce went out during a fierce thunderstorm on a humid day. The company opened up the studio to the wider family of several hundred former staff, and all day long there was a procession of people coming through. All day I’ve felt enveloped in a substance like honey or corn syrup. I can’t believe how many people I met through...

Gerda König: «Patterns Beyond Traces»

Gerda Königs Stücke spielen mit der Fähigkeit, der «Ability» – in dem sie mit disabled dancers arbeitet, ein Wort, das wohl kaum mit unfähig zu übersetzen ist. Dabei wirkt ihr Tanztheater oft etwas naiv zusammengehäkelt, wie bei anderen auch. Die Kölnerin hat auch Sinn für Pathos, aber bei ihr wirkt es schwerer. Das liegt am Betrachter, der einem behinderten Körper...

Valentina Savina

Manche Geburtstage haben es in sich. Am 6. Juni wurde Valentina Savina siebzig, und das Staatsballett Berlin würdigte seine Chefballettmeisterin zu mitternächtlicher Stunde mit einem «Happy Birthday», gesungen in 32 Sprachen. Dass der Jubel-Akt nach einer «Onegin»-Aufführung nicht auf der Bühne stattfand, sondern im Kasino der Staatsoper, ließ sich noch irgendwie...